Erstes Frühlingsfest München 1965

Festleiterin Yvonne Heckl mit dem ersten Frühlingsfestplakat von 1965

So hat es angefangen

Das erste Frühlingsfest auf der Theresienwiese in München wurde 1965 vom Münchner Schaustellerverein  und dem Bayerischen Landesverband ambulanter Gewerbetreibender veranstaltet. Der damalige Dritte Bürgermeister der Stadt München, Albert Bayerle, hat das erste Frühlingsfest im am 3. April 1965 eröffnet. Bei einer Pressekonferenz betonte Bayerle, dass „vom Fassanstich – wie bei der Eröffnung des Oktoberfestes der Brauch – bewusst abgesehen wird.“ Das Frühlingsfest diente damals „in erster Linie der Belustigung von Kindern und Jugendlichen“.

Bereits am 5. Dezember 1960 hatte der „Bayerische Landesverbandes des Ambulanten Gewerbes und der Schausteller e.V.“, einen Antrag für die Durchführung eines Frühlingsfestes auf der Theresienwiese an den Wirtschaftsausschuss der Stadt München gestellt, der aber abschlägig beschieden wurde. Vorstandsmitglied  Jauss hat am 21. Oktober 1962  erneut einen Antrag gestellt und diesen direkt an den damaligen Oberbürgermeister Dr. Hans Jochen Vogel gesandt. In diesem heißt es:

„Die Reisesaison unserer Schausteller beginnt, wie in anderen Jahren, mit großen finanziellen Vorbelastungen, durch dringende Renovierung der Geschäfte, des Wagenparks, fortlaufende Betriebskosten, Löhne, soziale Abgaben für das Stammpersonal, Anzahlung auf Platzgelder, hohe Frachtkosten u.a., bei einnahmelosen Wintermonaten. Wir würden es dankbar begrüßen, wenn Sie unseren Antrag durch Ihre Fürsprache im Stadtrat zu einer befriedigenden Lösungen führen würden.“

Der Wirtschaftsausschuss genehmigt im Dezember 1964 die Durchführung „ da eine solche Veranstaltung, im bescheidenen Rahmen gehalten, weder die Interessen der Stadt im allgemeinen, noch die des Oktoberfestes im besonderen beeinträchtigt.“  

Natürlich gab es auch damals schon diverse Vorschriften. Unter anderem musste der Abstand zwischen den Schaustellergeschäften und den Häusern am Bavariaring ca. 115 m Luftlinie betragen, damit „eine akustische Belästigung der Bevölkerung nicht zu befürchten ist.“

Die Platzmiete betrug damals sechstausend DM. Für „städtische Budenstände“ mussten zwanzig DM, für „fliegende Stände zehn DM, für Abfalltonnen je drei DM, für Fahnenmasten je zwanzig, für eine Trafostation 300 DM  und für „Abortanlagen“ je einhundert DM Miete an die Stadt München gezahlt werden.

Gestattet wurde „der Betrieb eines kleinen Bierzeltes (nicht größer als bei der 1200-Jahrfeier in Pasing).“ Festwirt Josef Heimer hatte in einem Schreiben an den damaligen Bürgermeister Albert Bayerle um eine Verlängerung der Ausschankzeiten bis 22:00 Uhr gebeten, da „ diese Bestimmung zweifelsohne eine gewisse Härte darstellt“ und „mit einem gewissen Geschäft erst in den Abendstunden gerechnet werden kann.“ Der Ausschank im Zelt mit ca. 1200 Plätzen wurde nur bis 20:30 Uhr genehmigt. Ausgeschenkt werden durften „Vollbier, Märzenbier und Weißbier, nicht jedoch Bockbier.“ Der „glasweise oder flaschenweise Ausschank von Spirituosen“ war nicht gestattet.

Die Musik war „auf ein Mindestmaß an Lautstärke zu beschränken“ und musste um 20:45 Uhr eingestellt werden, damit das Ende der Betriebszeiten um 21.00 Uhr eingehalten wurde.

Die Karwoche fiel 1965 in die zweite Woche des Frühlingsfestes, am Karfreitag musste der Festbetrieb eingestellt werden. Das katholische Stadtpfarramt St. Paul hatte daraufhin im Juni 1965, unterstützt vom Erzbischöflichen Ordinariat München, um eine Verlegung des Frühlingsfestes gebeten, „da die Fixierung auf die Fastenzeit, besonders auf die Karwoche als unerträgliche Zumutung empfunden wurde.“   

Laut Münchner Merkur vom 1. April 1965 waren damals 80 Schausteller und 40 bis 50 ambulante Händler auf dem Frühlingsfest vertreten. Darunter drei Autoskooter, ein Riesenrad, ein Zeppelin-Weltflug, ein Jet-Clipper, drei Kettenkarussells, eine Geisterbahn, ein Teufelsrad, eine Schiffschaukel und ein Sturzbomber. Für die Kinder gab es zwei Kasperltheater, ein Marionettentheater und ein Kinderkarussell.

Der Münchner Merkur schreibt am 1. April 1965 in seinem Artikel  "Kleine Wiesn auf der Grossen":

Erstens sollte damit der Jugend ein Tummelplatz geschaffen werden, zweitens ist für die Münchner Schausteller dieses zentral gelegene Frühlingsfest eine Lebensnotwendigkeit, da die alten Plätze am Rande der Stadt durch Neubauten verloren gegangen waren…….

Bürgermeister Bayerle betonte ausdrücklich dass dieses Frühlingsfest keine Veranstaltung der Stadt München ist, sondern lediglich eine Angelegenheit der beiden bayerischen Schaustellerverbände, deren Mitglieder durch das Frühlingsfest ihr Reisegeld für die Sommermonate aufbringen können.....
Das Bierzelt wird bewirtet von Schaustellerwirt Josef Heimer, für das die Münchner Brauereien abwechselnd das Bier liefern werden.

 

Seit 1965 hat sich das Frühlingsfest zur „kleinen Schwester der Wiesn“ entwickelt und findet immer nach Ostern statt. Über 100 Schausteller sind heute auf dem Frühlingsfest vertreten, darunter viele von damals. Es gibt zwei Bierzelte und einen Weißbiergarten, in denen bis 22:30 Uhr Bier ausgeschenkt werden darf. Auch der Ausschank von Spirituosen ist erlaubt. Die Musik darf bis 22:45 Uhr spielen, allerdings ist die Lautstärke auch nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG) vorgeschrieben. Das katholische Stadtpfarramt St. Paul bietet während des Frühlingsfestes Turmbesteigungen der Kirche St. Paul an. Für den Aufstieg wird eine Spende in Höhe von 3 € erbeten. Geändert hat sich auch die Kleidung der Besucher, auf den Fotos des Jahres 1965 ist kein Einziger in Tracht zu sehen.

 

(Quelle für Schriftverkehr und Verträge: Stadtarchiv München)

 

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