Anzapftraining für die Bayerische Bierkönigin 2016

Bayern ist weltweit für seine Bierkultur bekannt. Nach Schätzung des Bayerischen Brauerbundes trinken die Bayern 135-140 Liter Bier pro Jahr. Wer jeden Tag ein anderes bayerisches Bier probieren möchte, würde dafür elf Jahre brauchen. Die 631 bayerischen Brauereien produzieren eine Vielfalt von mehr als 40 Sorten und rund 4000 Markenspezialitäten.

 

Richtig Anzapfen eines Bierfasses will gelernt sein. Legendär ist das Anzapfen vom „Wimmer Dammerl“, Thomas Wimmer. Er war von 1948 bis 1960 Oberbürgermeister von München und hat am 16. September 1950 mit 19 Schlägen und dem berühmten „O’zapft is“ die Wiesn eröffnet.

 

Auch der Bayerische Landwirtschaftsminister Josef Miller hatte immer wieder Anzapfpech. Zur Eröffnung des „Festivals bayerischer Bierkultur“ anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Bayerischen Brauerbundes brauchte er 16 Schläge. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter hat es  zuletzt mit zwei Schlägen geschafft.

 

Seit 2009 wird in Bayern die Bierkönigin gewählt. Sie ist die Repräsentantin des Bayerischen Bieres und wird jeweils für ein Jahr gewählt. Zu den „Amtspflichten“ der neu gewählten Bayerischen Bierkönigin 2016, Sabine Ullrich,  gehört es, ein Fass Bier sach- und fachgerecht anzuzapfen und dem Publikum anschließend ein euphorisches „O’zapft is“ entgegenzuschmettern.  Die 25-jährige Krankenpflegerin in Ausbildung  kommt aus Bürgstadt in Unterfranken und hat ihre Ausbildung für ein Jahr unterbrochen, um sich ganz auf die Repräsentationsaufgaben als Bierkönigin im In- und Ausland zu konzentrieren.

 

Im Historischen Eiswerk der Paulaner Brauerei in München durfte die Bayerische Bierkönigin  das Anzapfen und das  „O zapft ist“  üben. Dort steht die älteste Eismaschine der Welt. Um 1870 fand in der "Biergesellschaft" in Bayern und ganz Deutschland eine eigene kleine Revolution statt: Carl von Linde, ein deutscher Ingenieur, erfand die erste Eismaschine mit ausreichender Kühlleistung, um Bier das ganze Jahr über ausreichend kühlen zu können. Bis dahin war die Bierproduktion vom 24. April bis zum 29. September verboten gewesen. 1881 folgte die Installation der Wasserturbine sowie der Kälteanlage, die es ermöglichte 80 Tonnen Blockeis an nur einem Tag zu produzieren. 

 

Heute ist im Eiswerk eine Mikrobrauerei der Paulaner Brauerei, die es sich zum Ziel gesetzt hat Leidenschaft und Begeisterung zur Braukunst mit Bierinteressierten zu teilen und zu leben.

 

Beim Anzapfen wurde Sabine Ullrich unterstützt von Martin Zuber, Diplom-Biersommelier und Leiter der Brauerei im Eiswerk. Zuber: „Bier aus dem Holzfass ist eine traditionelle Braukunst und es gibt nicht mehr viele Brauereien, die noch Holzfässer haben. Deshalb veranstalten wir bei uns auch Anzapfkurse“.

 

Martin Zuber hat Sabine den Aufbau  des Holzbierfasses und den richtigen Griff von  Schlegel (1,8 kg schwer)  und Wechsel erklärt, in letzteren sollte man „auf gar keinen Fall hinein blasen, das ist unhygienisch.“ Der Schlegel ist ein runder Hammer aus heimischem Hartholz, mit dem das Zapfwerkzeug aus Messing, genannt der Wechsel, ins Fass getrieben wird.

 

Die sechs Trockenversuche mit dem leeren 30-Liter Fass hat sie mit jeweils drei Schlägen gemeistert. Dann wurde das volle 20-Liter Fass auf den Tisch gehoben, der  grüne Schaber (Schürze) über das Dirndl gebunden, ein neuer Wechsel, ein neuer Schlegel, voller Erwartung die anwesenden Journalisten. Wiederum nur drei Schläge, wobei es zur Freude der Fotografen beim ersten Schlag doch etwas gespritzt hat. Das  „O’zapft is“ kam allerdings ein bisserl zaghaft, das muss sie noch üben.

 

Sabine: „ Heute habe ich zum ersten Mal angezapft, ich war schon sehr aufgeregt, aber es großen Spaß gemacht. Ich werden jetzt fleißig üben, Übung macht ja bekanntlich den Meister.“

 

In den kommenden Monaten darf sie nun auf diversen Bierfesten auf der ganzen Welt beweisen was sie gelernt hat.

 

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