Trauergottesdienst für Opfer des Amoklaufes in München

v.li.: S.K.H. Franz Herzog von Bayern, Petra Reiter, Dieter Reiter, Peter Küspert ( Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs) ,Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Horst Seehofer Foto: Heinz Hoffmann

Zum Gedenken an die Opfer des Amoklaufes von München am 22. Juli 2016, sind am 31. Juli 2016 im Liebfrauendom in der bayerischen Landeshauptstadt einige Hundert Menschen  zu einem ökumenischen Gottesdienst zusammengekommen.

 

Dabei auch  Bundespräsident Joachim Gauck,  Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) , Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), sowie  Spitzenvertreter des Freistaat Bayern,  der Stadt München und der Kirchen.

 

Gestaltet wurde der Gottesdienst  vom Erzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, und vom Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Professor Dr. Heinrich Bedford-Strohm. 

 

Marx sprach den Angehörigen seine besondere Anteilnahme aus: „Diese Toten sind nicht ins Nichts zurückgestoßen, sie leben.“  Er nannte den  Amoklauf   „einen Markstein in der Geschichte der Stadt“. Der Klage müsse Raum gegeben werden, aber man dürfe sich „nicht hängenlassen im Leiden“.   

 

Danach  wurden neun weiße Kerzen in einem grünen Gräser-Kranz - eine für jeden der Ermordeten - von Jugendlichen entzündet.

 

Das anschließende Totengebet der Religionen wurde von Vater Georgios Siomos (Griechisch-orthodoxe Allerheiligen-Gemeinde München), Dhahri Hajer (Muslimrat München) und Alon Kol (Israelitische Kultusgemeine München und Oberbayern) gesprochen.  Sieben der getöteten waren Muslime, deshalb betete  die Muslima Dhahri Hajer: „Allah, wir bitten Dich um Hilfe für uns, unsere Menschlichkeit nicht zu verlieren. Beschütze diese schöne Stadt und ihre Bewohner, beschütze Deutschland."

 

Bedford-Strohm sagte, wie wichtig die Verbundenheit von Christentum, Judentum und Islam sei: „Wir brauchen einander, um das Leid zu ertragen“.  Mit dem Amoklauf habe man die „Endlichkeit des Lebens vor Augen geführt bekommen“. Er forderte die Kirchengemeinde zu einer „neuen Klugheit im Umgang mit dem Leben“ auf. Bedford-Strohm: „Die Zeit ist endlich, werft sie nicht weg“.  Hass und Gewalt sollten keine Macht gewinnen, sondern die Liebe.  Die Medien ermahnte er zu prüfen, ob sie ihre Informationspflicht erfüllt  oder zur Hysterie beigetragen haben.

 

Bei der anschließenden Trauerfeier im Bayerischen Landtag las Bundespräsident Gauck  mit brüchiger Stimme die Namen der neun Opfer vor. Er warnte mit gehobener Stimme davor, sich von Amokläufern oder Attentätern bezwingen zu lassen: "Sie werden uns nicht zwingen zu hassen, wie sie hassen." Die deutsche Gesellschaft werde bleiben wie sie ist, "eine mitmenschliche, solidarische Gesellschaft".

 

Auch Ministerpräsident Horst Seehofer sprach teilweise mit brüchiger Stimme: "Hinter uns liegen die schwärzesten Tage im Freistaat Bayern mindestens seit 45 Jahren."  Unfassbar brutal sei der Amoklauf gewesen, er habe "Bayern ins Mark getroffen". Sicherheit sei das höchste Gut einer Demokratie, die oberste Pflicht des Staates, so Seehofer. Als notwendige Antwort des Rechtsstaates  werde man deshalb die Arbeit der Sicherheitsapparate verbessern. Mehr Personal, noch modernere Ausrüstung und  stärkere Polizeipräsenz.

 

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter bezeichnete die  Beisetzung der Opfer als „die schwersten Momente meiner Amtszeit“. Wieder einmal  findet er die richtigen Worte in einer Krise,  spendet den Opferfamilien Trost.  Reiter: „Trotz  der schrecklichen Taten und trotz der beunruhigenden Terrorgefahr dürfen wir uns unsere freiheitliche, offene und tolerante Art zu leben nicht nehmen lassen".

 

Nach Reiters Rede verlassen die Angehörigen langsam in aller Stille die Tribüne. Wenig später folgen ihnen die Politiker und Ehrengäste. Keiner sagt etwas, die Stille ist in diesem Moment stärker als jedes Wort.

 

Die offizielle "Woche der Trauer", die Oberbürgermeister Dieter Reiter nach der Bluttat ausgerufen hatte, ist nun beendet.

 

Bei dem Amoklauf waren am 22. Juli neun Menschen erschossen worden. Vier weitere Menschen erlitten schwere Verletzungen. Der Attentäter, ein 18-jähriger Deutsch-Iraner, tötete sich anschließend selbst. Aus Furcht vor weiteren Angriffen brach in der Stadt zeitweise Panik aus. Dabei wurden mindestens 31 Menschen verletzt. Bei der Polizei gingen binnen weniger Stunden 4.300 Notrufe ein. Zahllose Menschen öffneten ihre Wohnungen für andere, die sich auf den Straßen nicht sicher fühlten. Das Verbrechen löste weltweites Entsetzen aus.

 

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