Auf den Spuren von König Ludwig II.

Schloss Herrenchiemsee

Ludwig II., volkstümlich auch Märchenkönig genannt, gehört zu den berühmtesten Persönlichkeiten der europäischen Geschichte

Als erster Sohn des späteren Maximilian II, König von Bayern, kommt Ludwig am 25. August 1845, nach Hofangaben „28 Minuten nach Mitternacht“, im Schloss Nymphenburg bei München zur Welt. Der 25. August ist der Tag des heiligen Ludwig IX. und der Geburtstag seines Großvaters König Ludwig I., deshalb wurde Ludwig nach katholischer Tradition auf den Namen des Geburtstagsheiligen getauft. Es gibt Mutmaßungen und Gerüchte, die besagen, die Geburt sei ganz bewusst verheimlicht und auf den offiziellen Ludwigstag datiert worden. Ludwig wurde streng erzogen, er empfand seine Kindheit als unglücklich. Ludwig: „Meine Kindheit war eine Kette demütigender Peinigungen. Ich war gezwungen, mich dem Willen von plumpen, gefühllosen Lehrern zu unterwerfen. Was ich lernen sollte, erschien mir albern, dumpf und wertlos."  Der Historiker Karl von Heigel schrieb 1893 über die Erziehung der Brüder Ludwig und Otto: "Man ließ die Prinzen niemals ohne Aufsicht; sie mussten früh aufstehen, fleißig lernen, bekamen schmale Kost und wurden unnachsichtig bestraft, wenn sie Strafe verdienten.“ In der Familienchronik schrieb seine Mutter Marie: „..Ludwig kostümierte sich gern…zeigte Freude am Theaterspielen, liebte Bilder und dergleichen…“ 1864, nach dem plötzlichen Tod seines Vaters, besteigt er als Ludwig II. mit nur 18 Jahren den bayerischen Thron. Er war damals der jüngste regierende Fürst Europas. Sein Großvater, Ludwig I.: "Armer Ludwig! Mit 18 Jahren auf den Thron kommt, in welchem Alter er keine Erfahrung haben kann ..." Ludwig II. selbst: „Ich bin überhaupt viel zu früh König geworden, ich habe nicht genug gelernt.“ Es gibt keine Anhaltspunkte ob Ludwig II. je mit einer Frau intim geworden ist. Der 19jährige Ludwig über die Frauen: "Ach die Weiber! Auch die Gescheiteste disputiert ohne Logik!" Ein lebenslanges Vertrauensverhältnis hatte er zu seiner Erzieherin, Sibylle Meilhaus. Seine Mutter bezeichnete er als  "preußische Gebärmaschine". Zur Erhaltung der Dynastie hatte er sich am 22. Januar 1867 mit Sophie, einer jüngeren Schwester Elisabeths, Kaiserin von Österreich, verlobt. Im November sollte geheiratet werden, aber Ludwig hat kurz vorher die Verlobung gelöst. Ludwig-Biograph Gottfried von Böhm bringt die homosexuelle Veranlagung des Königs offen zur Sprache, er schreibt: "Schon in allem Anfang äußerte die öffentliche Meinung ein gewisses Befremden über seinen Mangel an Neigung für das weibliche Geschlecht". In der Realität war König Ludwig II. ein Staatsoberhaupt mit Rechten und Pflichten. Er errichtete sich daher eine Traumwelt fern von der Gegenwart. Davon zeugen die Schlösser Neuschwanstein, Herrenchiemsee und Linderhof. 

 


Schloss Nymphenburg

Schloss Nymphenburg, Sommerresidenz der bayerischen Kurfürsten und Könige, wurde als Lustschloss anlässlich der Geburt des Thronfolgers von Kurfürst Ferdinand Maria und seiner Gemahlin Henriette Adelaide von Savoyen, 1664 erbaut. Das Appartement der Königin im Hauptgeschoss des südlichen Pavillons von Schloss Nymphenburg wurde kurz nach der Erhebung Bayerns zum Königreich im Jahr 1806 für Königin Karoline, die Gemahlin König Max I. Josephs, neu gestaltet. Die vornehme Einrichtung des höfischen Empirestils wurde teilweise in Paris erworben und teilweise in München geschaffen. Sie ist in großen Teilen erhalten geblieben. An Kronprinz Ludwig und seinen Bruder Otto erinnern die beiden Kinderbüsten auf dem Schreibschrank. Aus Anlass des 125. Todesjahres König Ludwigs II. wurden nun die Räume wieder so authentisch wie möglich gestaltet. Die originale Barockdekoration ist in einigen Räumen des Schlosses noch erhalten, andere wurden im Stil des Rokoko und Klassizismus umgestaltet. Im großen Festsaal, dem berühmten Steinernen Saal, schuf Johann Baptist Zimmermann hier sein letztes Hauptwerk, einen Freskenzyklus, eingefasst von üppigen Rokoko Stuckaturen. Es ist eine der reifsten monumentalen Raumschöpfungen des späten höfischen Rokoko in Bayern. Das Marstallmuseum in den ehemaligen Hofstallungen von Schloss Nymphenburg im südlichen Kavalierbau zählt mit rund 50 historischen Kutschen und Schlitten aus dem Besitz der Wittelsbacher neben Wien, Stockholm und Lissabon zu den bedeutendsten Sammlungen seiner Art in Europa. Einer von vielen Höhepunkten des Museums bilden die Prunkgefährte des Märchenkönigs Ludwigs II. Die bekannteste Attraktion allerdings ist die Schönheitengalerie des Königs Ludwig I. von Bayern. Der königliche Hofmaler Joseph Karl Stieler hat 36 schöne Damen aus allen Gesellschaftsschichten Münchens porträtiert, darunter auch Ludwigs I. langjährige Geliebte, die Tänzerin Lola Montez.
Der Landschaftspark rund um das Schloss Nymphenburg hat eine Größe von mehr als
200 ha (2 Millionen qm). Durch den Mittelkanal mit der großen Kaskade wird er in einen nördlichen und einen südlichen Bereich unterteilt. In beiden Teilen befindet sich jeweils ein See sowie zahlreiche Brunnen, Fontänen und andere Wasserspiele. Der Schlosspark ist einer der prachtvollsten Gartenkunstwerke Deutschlands, Vorbilder waren die Gärten von Versailles. Hier findet man drei weitere Schlösschen, Amalienburg, Badenburg und Pagodenburg. An die heilige St. Maria Magdalena erinnert die Magdalenenklause, als Behausung eines Eremiten gedacht.

 

Schloss Neuschwanstein

Die „Neue Burg“ (später Neuschwanstein) wurde in den Jahren 1869 bis 1886 auf einem Felsvorsprung als mittelalterliche Ritterburg erbaut. 1867 besuchte Ludwig II. die eben "wieder aufgebaute" Wartburg. Dort begeisterte ihn besonders der Sängersaal. Im Mai 1868 richtete er folgende Zeilen an den von ihm verehrten Richard Wagner: "Ich habe die Absicht, die alte Burgruine Hohenschwangau bei der Pöllatschlucht neu aufbauen zu lassen im echten Styl der alten deutschen Ritterburgen, und muss Ihnen gestehen, dass ich mich sehr darauf freue, dort einst (in 3 Jahren) zu hausen.“
 Die Wartburg und ihr Saal wurden Leitmotive der "Neuen Burg". Der Architekt Eduard Riedel musste daneben Vorstellungen aus Bühnenbildern verarbeiten, die der Münchner Theatermaler Christian Jank entwickelte. Die idyllische Lage von Neuschwanstein ist einmalig. Wie kein anderer Bau zeugt Neuschwanstein von den Idealen und Sehnsüchten Ludwigs II, für ihn ein Ort des Rückzugs. Hier flüchtete sich Ludwig II. in eine Traumwelt – die poetische Welt des Mittelalters. Inspiriert wurde er von den Opern Richard Wagners, dem der König das Schloss widmete. Die Wandbilder des Schlosses erzählen Geschichten um Liebe, Schuld, Buße und Erlösung. Könige, Ritter und Dichter sind die Hauptfiguren. Der Dichter Tannhäuser, der Schwanenritter Lohengrin und dessen Vater, der Gralskönig Parzival  waren Seelenverwandte für Ludwig. Der Schwan, das Wappentier der Grafen von Schwangau und das christliche Symbol der „Reinheit“,  findet sich auf vielen Abbildungen wieder. Die Darstellungen im Thronsaal zeigen Ludwigs Vorstellungen von einem Königtum „von Gottes Gnaden“, als heiligen Auftrag.

Hinter dem mittelalterlichen Gewand verbarg sich modernste Technik und höchster Komfort.  Die Räume  wurden über eine Heißluft-Zentralheizung erwärmt, es gab fließendes Wasser in allen Stockwerken, in der Küche sogar heiß und kalt. Die Toiletten besaßen automatische Spülungen. Über eine elektrische Rufanlage konnte der König Diener und Adjutanten rufen. Im dritten und vierten Obergeschoss gab es sogar Telefonanschlüsse. Speisen mussten nicht mühsam die Treppen hoch getragen werden – für sie stand ein Aufzug zur Verfügung.

Beim Bau des Schlosses wurden die Lastkräne mit Dampfmaschinen betrieben, den Thronsaal errichtete man als ummantelte Stahlkonstruktion. Ungewöhnlich für diese Zeit sind auch die großformatigen Fensterscheiben. Schloss Neuschwanstein wurde nie vollendet und sieben Wochen nach dem Tod König Ludwigs II. dem Publikum geöffnet. Heute gehört Neuschwanstein zu den meistbesuchten Schlössern und Burgen Europas. Rund 1,3 Millionen Menschen jährlich besichtigen "die Burg des Märchenkönigs".

 

Schloss Herrenchiemsee

1873 kaufte Ludwig II. die größte Insel, die Herreninsel im Chiemsee, dem „Bayerischen Meer“. Hier sollte sein größtes Projekt verwirklicht werden, ein „Tempel des Ruhmes“ für König Ludwig XIV. von Frankreich. Ludwig II. verehrte den französischen Sonnenkönig grenzenlos und sah in ihm die ideale Verkörperung des absoluten Königtums. Dieses Schloss sollte ein neues Versailles werden und den barocken Absolutismus der Könige Frankreichs vergegenwärtigen. Herrenchiemsee war teurer als Linderhof und Neuschwanstein zusammen. In den Innenräumen sind mehr als 4,5 Kilogramm Blattgold verarbeitet.  Der Höhepunkt der Paraderäume ist  die 75 m lange  Spiegelgalerie, in der über 1800 Kerzen angezündet werden konnten. Besonders prunkvoll ist das Paradeschlafzimmer mit seinem 3 x 2,60 m großen Bett.  Es ist wohl der teu­ers­te Raum, der im ge­sam­ten 19. Jahr­hun­dert ein­ge­rich­tet wur­de. Al­lein die Tex­ti­li­en, die Bild­hau­er Ar­bei­ten und die Ver­gol­dun­gen für Bett und Bal­da­chin ha­ben den Kö­nig sei­ner­zeit rund 300.000 Mark ge­kos­tet - das ent­spricht in heu­ti­ger Wäh­rung et­wa drei Mil­lio­nen Eu­ro. Der König hat nie in diesem Schlafzimmer gewohnt. 2011 wurde das Paradeschlafzimmer vom Freistaat Bayern für 250.000 Euro restauriert und erstrahlt in neuem Glanz. Die Wohnung des Königs, im französischen Rokoko eingerichtet, ist im Vergleich ein intimes kleines Appartement. Der König bewohnte das Schloss erst nach der Fertigstellung seiner privaten Wohnräume und hielt sich dort nur für wenige Tage vom 7. bis zum 16. September 1885 auf. Ludwig II. wollte noch nicht einmal von seinen Bediensteten gestört werden. Im Speisezimmer gestattete ein versenkbarer Speisetisch, ein „Tischlein deck dich“ die Mahlzeiten ohne Bedienung einzunehmen. Der Tisch konnte mit einem Teil des Fußbodens mechanisch um eine Etage abgesenkt, dort gedeckt und anschließend wieder nach oben gekurbelt werden.

Der streng geometrisch angelegte französische Garten ist Teil einer phantastischen, leider nie vollendeten, Gesamtanlage. Als Ludwig 1886 starb, waren das Schloss noch nicht und die Gartenteile nur entlang der Hauptachse mit ihren berühmten Brunnen und Wasserspielen fertig gestellt.

 

 

Schloss Linderhof

Das 1878 fertig gestellte Schloss Linderhof im Graswangtal war ein weiterer Platz für die Träume Ludwig II. und das einzige Schloss, das er vollendet  und bewohnt hat.

Es entstand aus dem  ehemaligen Försterhäuschen seines Vaters Maximilian II., das sich damals am heutigen Schlossvorplatz befand.  Bereits als Kronprinz hat er seinen Vater bei Jagdausflügen ins Graswangtal begleitet. In dem relativ kleinen Schloss wurde der Geist des Neurokoko mit seiner ganzen Üppigkeit lebendig. Gold, Samt und Seide, Kristalleuchter, kostbare Wandbehänge und Gemälde und edles Porzellan. Im kunstvoll angelegten Garten  findet man Elemente des französischen Barockgartens und des englischen Landschaftsgartens. Drei „Bühnenbilder“ (Hundingshütte, Einsiedelei und Venusgrotte) im Park zeugen von der Begeisterung Ludwigs für Richard Wagners Dramen und wurden exakt nach den Bühnenanweisungen Wagners errichtet.  Die „Hundingshütte“, ist ein germanisches Haus wie im ersten Akt der „Walküre“. Wie Siegmund  flüchtete  Ludwig II. in die Hütte des Hunding. Die „Einsiedelei des Gurnemanz“ ist  eine kapellenartige Hütte aus dem dritten Akt von „Parsifal“. Im Laufe der Jahre identifizierte sich Ludwig II. immer mehr mit dieser mittelalterlichen Sagengestalt. In die Traumwelt von Wagners Oper „Tannhäuser“ zog er sich in der „Venusgrotte“ zurück um die  Welt außerhalb zu vergessen. Die künstliche „Venusgrotte“ mit Wasserfall und See, ist von außen kaum wahrzunehmen. Ein in den Berg eingebauter Raum wurde mittels Traggestell, Leinwandbahnen und Zement in eine künstliche Tropfsteinhöhe verwandelt. Der Raum und das Wasser des Teiches in der Grotte waren beheizbar. Die Venusberg-Szene aus der Oper „Tannhäuser“ von Richard Wagner wird in einem riesigen Gemälde dargestellt. 24 Dynamos mit farbigen Glasvorsätzen, angetrieben von einer Dampfmaschine, erzeugten bunte Lichtreflexe an Decken und Wänden. Natürlich auch in Ludwigs Lieblingsfarbe Blau, es sollte ihn an die Blaue Grotte auf Capri erinnern.

 

Von einem Spaziergang am Starnberger See, den er mit seinem begleitenden Arzt unternahm, sind beide nicht mehr lebendig zurückgekommen. Was bleibt ist der Mythos und der Kult um den „Kini“, wie er in Bayern genannt wird. Das Rätsel um seinen Tod wird  wohl nie gelöst werden. Am 19. Juli 1886 wurde er in der Fürstengruft von St. Michael in München feierlich beigesetzt.
 

Am 13. Juni 2011 jährte sich der 125. Todestag des  Königs.

 

 

 

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