125 Jahre Narrhalla München

Narrhalla Präsidium, Foto: Heinz Hoffmann

Pünktlich um 11:11 Uhr am 11. November 2017 wurde  in Deutschland die fünfte Jahreszeit eröffnet.  In Bayern heißt es Fasching, im Rheinland Karneval,  in Rheinland-Pfalz Fastnacht, in Hessen Fassenacht und in Schwaben Fastnet. Alle meinen das Gleiche: „Die Narren sind los“.  

 

Der Elfte im Elften Monat um Elf Uhr Elf - viele Mythen ranken sich um dieses Zahlenspiel zum Beginn der Karnevalszeit. Traditionell wird die Zahl 11 als verrückte Zahl angesehen. Im Mittelalter stand diese Zahl für Jux und Narretei. Auch steht die 11 zwischen der 10 und der 12. Die Zahl 10 spielt nicht nur in der Mathematik eine wichtige Rolle. Im Christentum hatte die 10 mit den Zehn Geboten eine zentrale Bedeutung.  Die Zahl 12 steht  für Vollkommenheit,  die Zahl der Apostel Jesu und das Symbol für Neubeginn, wie das Jahr, das nach 12 Monaten endet. Die Elf liegt genau dazwischen und hat keine Bedeutung,  was das Närrische  an der 11 unterstreicht.   Die Idee, den 11.11. als  Narrentermin zu feiern, entstand zwischen dem  Ersten und Zweiten Weltkrieg. Man wollte in der kalten Jahreszeit die Freude der Fastnacht schon einmal  vorkosten. 

 

Der Ursprung des Karnevals geht bis in die Zeit der Ägypter und  Römer zurück. Zu Ehren der Götter wurden  Feste mit öffentlichen Gelagen gefeiert. Die alten Germanen trugen Masken und Tierfelle, um beim Wechsel vom kalten Winterhalbjahr in das warme Sommerhalbjahr  die bösen Geister zu vertreiben. 

 

Im alten Rom wurde das „Saturnalienfest“ gefeiert, bei dem die Einwohner die Rollen tauschten. Die Herren bedienten die  Sklaven, die Diener durften über  ihre Herrschaft Witze erzählen ohne dafür bestraft zu werden.

 

Im Mittelalter sorgten Narren buntgekleidet  für die Belustigung des Volkes. Die „Hofnarren“ durften ungestraft die Fürsten und Adeligen parodieren und kritisieren.  Daraus haben sich die heutigen „Büttenreden“ entwickelt. In lustigen, meist gereimten,  Reden wird mit Gott und der Welt, am liebsten mit Politikern, abgerechnet.

 

Der Termin für die Karnevalszeit hängt unmittelbar von der Lage des Osterfestes ab und dauert bis Aschermittwoch, der immer am 46. Tag vor Ostern ist, im Jahr 2018 am 14. Februar.

 

Fasching ist die süddeutsche und bayerisch-österreichische Version des Karnevals. Zum ersten Mal wird das mittelhochdeutsche Wort  vaschanc(g) oder vas(t)schang  ( Ausschenken des Fastentranks) im 13. Jahrhundert erwähnt. Im 17. Jahrhundert wurde Vaschang  an die Wörter mit der Endung -ing angepasst.   

Faschingsfeierlichkeiten gab es in München schon im Mittelalter, vermutlich seit Gründung der Stadt im Jahr 1158. Allerdings fanden diese über die Jahrhunderte nur unregelmäßig statt.  Der Brauch der Verkleidung kam erst im 15. Jahrhundert auf,  gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in München eine richtige Faschingstradition. Es wurden damals die ersten Redouten gefeiert, also große Bälle mit ausgefallenen Kostümen.

 

Im Jahr 1893 wurde in München die  "Carnevalsgesellschaft" gegründet und hat, dank großzügiger Spenden der großen Münchner Brauereien, den ersten  Faschingsumzug abgehalten. Nach einer langen Ruhepause wurde am 25. November 1908 der "Carnevalsgesellschaft" der Beiname NARRHALLA hinzugefügt.  Die Faschingsgesellschaft der Landeshauptstadt München,  die „Narrhalla München e.V.“, feiert 2018 ihr 125jähriges Jubiläum.

 

Nur sehr zögerlich begannen nach Kriegsende die Feste wieder in München. Am 5. Januar 1928 wurde  wieder  der beliebte Faschingszug  veranstaltet. Im gleichen Jahr wurde auch die erste Faschingsprinzessin ernannt.  Seit dieser Zeit stellt die Narrhalla e. V. alljährlich das "Offizielle Faschingsprinzenpaar der Landeshauptstadt München".

 

Auf dem Viktualienmarkt in München eröffnete am 11.11. um 11:11 Uhr das Faschingsprinzenpaar Sebastian I.  (Kriesel)  und Janina I. (Homann ) die närrische Zeit der Landeshauptstadt.  Der Viktualienmarkt ist weit über die Grenzen Bayerns  bekannt und  bietet im Herzen Münchens ein reichhaltiges Angebot an frischen Produkten. Bäcker, Metzger, Fischhändler, Feinkostläden und Blumenstände machen den Markt seit über 200 Jahren zum herausragenden Wahrzeichen Münchens.  Über die Grenzen Deutschlands hinaus berühmt  sind auch die Marktfrauen des Viktualienmarktes. Der Höhepunkt des Faschings ist ihr  „Tanz der Marktweiber“ am Faschingsdienstag, dem letzten Tag des Faschings.  Die Marktfrauen treten jedes Jahr in fantasievollen und selbstgestalteten Kostümen auf.

 

Am Abend des 11. November hatte die Narrhalla zur Festlichen Gala in das Hotel Bayerischer Hof eingeladen. Der Ballsaal des Hotels war festlich geschmückt, ebenso die Damen in bunten Abendkleidern. Für die Herren waren Smoking bzw. dunkler Anzug angesagt. Dabei wurden auch die 22 Debütanten-Paare   der Münchner Gesellschaft vorgestellt und beim Herabschreiten der breiten Treppe im Saal mit großem Beifall empfangen. Wie beim Opernball in Wien, hieß es anschließend: „Alles Walzer“.  Ein Highlight des Abends war die Vorstellung des Faschingsprinzenpaares, angekündigt durch die Marktweiber vom Viktualienmarkt.

 

Zunächst ist erst mal Schluss mit Fasching. Nach altem Brauch beginnt der eigentliche Fasching in Bayern erst nach der stillen Weihnachtszeit, am 6. Januar (Heilige Drei Könige). Das Prinzenpaar wird am 12. Januar 2018 im Rahmen der feierlichen Inthronisation auf dem Marienplatz in München gekrönt und bekommt symbolisch den Schlüssel der Stadt überreicht. Bis zum Faschingsende  liegt die "Regierung" dann in der Hand des Faschingsprinzenpaares.

Für Sebastian I. und Janina I. beginnt nun die Zeit der rauschenden Bälle und Faschingspartys.


Sebastian  freut sich sehr beim  Straßenfasching  mit allen Münchnern zu feiern.  Janina kann es kaum erwarten bei den zahlreichen Bällen mit ihrem Prinzen zu tanzen.

 

Aber, wie heißt es schon im Karnevalslied von Jupp Schmitz aus Köln: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei.“  Für  gläubige Christen beginnt am "Tag der Asche"  die 40tägige Zeit des Fastens und Betens (Quadragesima)  zur Vorbereitung auf Ostern.  Das "Aschekreuz", das der Priester im katholischen Gottesdienst an diesem Tag den Gläubigen auf die Stirn zeichnet, gilt als Symbol der Vergänglichkeit des Menschen. 

 

Ingeborg Hoffmann

 

 

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