Django Asül beim Maibockanstich 2017
Django Asül beim Maibockanstich 2017

Rede Django Asül Maibockanstich 2017

Hab vorhin mit Seehofer telefoniert. Er hat mir extra aufgetragen: Ich soll euch herzliche Grüße von seinem Nachfolger ausrichten. Der Horst wäre heute gerne gekommen. Aber er hat noch einen wichtigen Termin.

 

Er will ja nach der Landtagswahl 2018 einen geordneten Übergang hinkriegen. Drum muss er heute Abend noch ein intensives Selbstgespräch führen. Es gibt noch ein, zwei Punkte, wo er sich selber klar machen will, was er genau damit meint.

 

Der Horst hatte ja im Januar 2015 versprochen, dass er 2018 nicht mehr kandidiert. Er hat Wort gehalten. Er wird nicht selber kandidieren. Er lässt sich von der CSU kandidieren.

 

Der Horst hätte wirklich liebend gern sich zurückgezogen. Aber angeblich gibt es derzeit keinen einzigen ernsthaften Kandidaten, der als MP in Frage käme. Sollte irgendwer von euch eine passende Lösung wissen, könnt ihr es im Anschluss gern dem Markus Söder melden. Der Markus steht ja in dieser Frage dem Horst beratend zur Seite und ist dankbar um jeden passablen Vorschlag.

 

Im Kabinett fiel neulich das Wort Überholspur. Da ist der Markus wie von der Tarantel gestochen aufgesprungen und hat gefragt: Geht es um mich? Da hat der Spaenle Ludwig gesagt: Markus, hock dich hin. Wir reden nur übers Gymnasium.

 

In einer Welt, die immer lauter, egoistischer, effektheischender wird, ist für leise Töne oftmals kein Platz mehr. Drum kommt sich ja auch der Markus oft bissl verloren vor auf diesem Planeten. Er hat aber eine eigene Art des Protests entwickelt: Der Markus postet immer wieder Fotos von seinen Tassen.

 

Ihr habt richtig gehört: Tassen! Damit sendet er eine klare Botschaft in die Welt: Leute, nehmt euch Zeit für eine Tasse Kaffee. Haltet inne, nehmt euch nicht zu wichtig, die Welt dreht sich auch ohne euch weiter.

 

Parteifreunde wiederum meinen: Der Markus will damit nur zeigen, dass er alle Tassen im Schrank hat. Im Alltag würde man das ihm sonst nie und nimmer anmerken. Wo andere eine romantische Ader haben, hat der Markus ein WLAN-Kabel.

 

Apropos WLAN-Kabel: Der Markus ist offiziell 1cm größer als der Horst. Drum bleibt ihm ab und zu gar nichts anderes über als auf seinen Chef herabzublicken. Aber was dem Markus schon beeindruckt, sind die Auslandsreisen vom Horst in fremde Gefilden.

 

Russland liegt dem Horst besonders am Herzen. Weil Putin über Angela Merkel eine ähnliche Meinung hat wie der Horst. Drum nennt der Horst die Russen ja nicht Russen, sondern liebevoll unsere Wolga-Franken.

 

Analog dazu hat der Markus eine Dienstreise zu uns nach Hengersberg gemacht. Jetzt werdet ihr fragen: Was hat Hengersberg mit Russland gemein? Ganz einfach: Im Hengersberger Gemeinderat haben die FW die absolute Mehrheit.

Aus Sicht der CSU ist Hengersberg quasi demokratiefreie Zone.

 

Da hat sich der Markus gedacht: Das muss sich ändern. Und drum bringe ich den Hengersbergern das WLAN persönlich. Im Hengersberger Rathaus hat der Markus dem Bürgermeister feierlich die Kabeltrommel überreicht.

 

Da hat er sogar noch stolz erzählt, dass er eigenhändig das Kabel bei sich daheim ausgerollt und stundenlang mit dem Hammer draufgehauen hat, damit es ja ein Breitband wird.

 

Weil wir vorhin von der Überholspur geredet haben: Die CSU ist gerade dabei, sich selber zu überholen. Stichwort Rückkehr zum G9.

Für den Ludwig Spaenle ist es erfreulich, dass auch die großen Lehrerverbände nichts dagegen einzuwenden haben. Sowohl Philologen als auch BLLV können scheinbar mit der Rückkehr zum G9 gut leben.

 

Ich kannte den Unterschied zwischen Philologenverband und BLLV gar nicht. Ich habe den Spaenle gefragt. Und der Ludwig hat gesagt: Genau weiß er es auch nicht. Aber er schätzt, die Philologen haben alle Abitur.

 

Seit 9 Jahren bist jetzt schon Kultusminister. Der Dienstälteste in Deutschland. Und das auch noch nebenberuflich! Im Hauptamt ist ja der Ludwig CSU-Bezirkschef München. Da würden andere durchdrehen. Die Münchner CSU erinnert ja oft eher an eine Stadtguerilla.

 

Und der Ober-Guerillero ist der Beppi Schmid. Wenns gegen den Oberbürgermeister Reiter geht, macht der Beppi aus dem Oktoberfest eine Oktoberrevolution. Der Beppi wollte den Bierpreis auf der Wiesn deckeln.

 

Und der Reiter wollte dem Beppi deswegen eins auf den Deckel geben. Auf einmal machten Fakenews die Runde. Die Oktoberfestwirte haben gesagt: Habt ihr es schön gehört? Der Beppi Schmid will höhere Preise für Bierdeckel!

 

Die Oktoberfestwirte als bewaffneter Flügel der Münchner SPD! Das ist eine Auszeichnung für die Münchner Sozis. Die sind halt immer gern auf der Seite der Gewinner. Eigentlich ist es eh seltsam, dass die Münchner SPD noch in der Bayern SPD drin ist.

Umfragen im Januar bei 14 Prozent. Tendenz leicht fallend. Bis schwer auffallend. Es gibt regelrechte Flügelkämpfe. Der resignierende Flügel gegen den halblahmen Flügel.

 

Dabei haben die Bayern-Sozis ja schon auch Leute mit gesundem Selbstvertrauen. Wie hat der Regensburger Bürgermeister Wolbergs gesagt: Ich trete nicht zurück, solange ich von meiner Unschuld überzeugt.

 

Und da sagt der Pronold, dass er mit dem Wolbergs nix mehr zu tun haben will! Liebe Sozis, so wird das nix. Wenn die CSU jeden rausgeschmissen hätte, der eine kreative Ader im politischen Alltag bewiesen hat, hätte sie weniger Mitglieder als Minister.

 

Wenn im Fall Wolbergs überhaupt wer einen Fehler gemacht hat, dann die Bayern SPD. Wen habt ihr zum Landesschatzmeister gemacht? Einen Staatsanwalt!

 

Ein bissl was hättet ihr schon lernen können von der CSU in den letzten 50 Jahren. Fragt mal den Markus, wo die CSU-Zentrale wäre, wenn der CSU-Schatzmeister in den 70ern und 80ern ein Staatsanwalt gewesen wäre. Da sagt der Markus glatt: Stadelheim.

 

Lobenswert kollegial hat sich in der Causa Wolbergs der Rinderspacher verhalten. Der Rinderspacher hat gesagt: Der Wolbergs ist rechtschaffen bis in die Haarspitzen. Das war fair und juristisch sauber. Weil der Rinderspacher wusste: Der Wollbergs hat gar keine Haare.

 

Attacken von der CSU braucht die SPD in dieser Sache nicht befürchten. Als die Geschichte im Spätsommer so richtig aufkam, war die CSU mit dem Thema Innere Sicherheit beschäftigt. Da wurde zur Herbstklausur ins Kloster Banz der Bundesinnenminister de Maiziere herbestellt.

 

Und der de Maiziere bekam dann vom Söder gleich einen sauberen Schuss vor den Bug. Zitat Söder: Wir sind kurz davor, dass das politische Grundwasser kontaminiert wird.

 

Dann wurde de Maiziere aus Verzweiflung übermütig: Ich muss mir vom Vorsitzenden der JU nicht sagen lassen, ich hätte die Sicherheitslage verschärft. Bis Berlin hat sich scheinbar noch nicht durchgesprochen, dass Markus Söder nicht mehr JU-Chef ist. Oder der Horst erzählt denen in Berlin, dass du der JU-Chef bist.

 

 

Die größte Erkenntnis dieser Klausur zog die CSU-Fraktion aus einer Studie: So will sich jeder dritte Bayer ein Pfefferspray zulegen, jeder zweite AfD-Wähler sogar eine Schusswaffe. Jeder erste CSU-Wähler will sich ein Luftgewehr gegen Pfefferspray-Besitzer zulegen.

Als im Herbst dann der Parteitag nahte, herrschte daher auch eine gewisse Verunsicherung bei der CSU. Viele CSUler wussten nicht so recht, ob man in Zukunft der Vernunft folgen soll oder doch lieber Angela Merkel. Ein neues Grundsatzprogramm sollte Abhilfe schaffen.

Das ist jetzt da und heißt: Die Ordnung. Auf gut deutsch: Da wo die CSU nicht ist, herrscht Unordnung. Und wo Unordnung ist, fehlt es in der Regel an Leitkultur. Wer es in Bayern schön haben will, soll sich an die Leitkultur ranhalten. Wem das nicht passt, der kann wieder heimgehen oder nach Berlin.

 

Integrationskurse sollen Pflicht werden. Das wurde auch höchste Zeit, dass die CSU da mal sauber auf den Tisch haut. Ich hab selber neulich leider mitansehen müssen, wie ein Preiss im Wirtshaus seine Weißwurst mit scharfem Senf gegessen hat. Da war ich selber kurz davor, eine Obergrenze für Preissn in Bayern zu fordern.

 

Die Botschaften der CSU unters Volk zu bringen ist die Aufgabe des Generalsekretärs. Der Scheuer Andi soll quasi in der Breite zuspitzen. Dass er das kann, hat er unter anderem im September in Regensburg bewiesen. Da ist der Andreas in einer Podiumsdiskussion gesessen und hat gesagt:

 

Entschuldigens die Sprache, das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese, der über drei Jahre da ist. Weil den wirst du nie wieder abschieben. Aber für den ist das Asylrecht nicht gemacht, sondern der ist Wirtschaftsflüchtling.

 

Zitiert wurde er aber in der Presse anders. Weggelassen wurde: Aber für den ist das Asylrecht nicht gemacht. Aus „den wirst du nie wieder abschieben“ wurde „den kriegen wir nie wieder los“.

 

Die Zuspitzung von Scheuer wurde von der Presse nochmal zugespitzt. Und dadurch war es auf einmal überspitzt. Und es ging völlig unter, worum es dem Scheuer ging. Er wollte sagen: Auch Senegalesen, die nicht Fußball spielen, können ministrieren.

 

Der Shitstorm kam aber trotzdem über Scheuer. Denn was der Andi Scheuer nicht bedacht hatte, war die Grundstimmung im Lande. Viele denken sich scheinbar: Ein illegaler Flüchtling, der ministriert, ist uns lieber als ein legaler Flüchtling, der nicht ministriert.

Ein Regensburger Pfarrer hat deshalb jetzt die Reißleine gezogen. Er ist aus der CSU ausgetreten. Und in die Thüringer CDU eingetreten. Er hat sich quasi aus der Politik verabschiedet. Aus Gewissensgründen, wie er sagt. Er unterstützt Merkel und ihre humanitäre Haltung, sagt er.

 

Und ihm gefällt nicht, dass im CSU Parteiprogramm z.B. „damit Deutschland Deutschland bleibt“ drin steht. Das ist ihm zu populistisch. Und die Angela Merkel tickt da ja ganz anders. Die hat in ihrer ersten Rede nach der Sommerpause im Bundestag gesagt: Deutschland wird Deutschland bleiben.

 

Die Merkel sagt ja im Prinzip eh das Gleiche wie die CSU. Es klingt halt nur ganz anders. Wesentlich eleganter. Das kriegt die CSU nicht so locker-flockig hin. Bei der CSU wirkt jede Aussage wie ein Rammbock. Da ist die Merkel schon hinterfotziger.

 

Bei der Jungen Union hat sie z.B. in ihrer Rede über Afrika gesagt: Wenn dort alle jungen Menschen ein Smartphone haben, aber keine Entwicklungschancen, dann hat nicht nur Deutschland ein Problem, dann hat die Welt ein Problem.

 

Wo der Scheuer explizit einen Senegalesen erwähnt, schert Frau Merkel gleich alle Afrikaner über einen Kamm. Aufgeregt hat sich niemand. Weil sie das Hauptproblem genannt hat: Das Smartphone!

 

Wobei Smartphone-Verbot für Afrika schon wieder ein Slogan von der CSU sein könnte. Die Kanzlerin würde es wohl dezenter formulieren. Die würde sagen: Schickt ihnen die neuen Samsung-Smartphones. Samsung ist ja koreanisch. Auf Deutsch heißt Samsung Ohrwaschelzerfetzer.

 

Die Kanzlerin ging auf die CSU zu und hat dann sogar ihr berühmtes Wir schaffen das einkassiert. Sie hat sagt, der Satz würde nur noch missverstanden werden. Einige hatten scheinbar gemeint, wir schaffen das wirklich.

 

Davon könne aber keine Rede sein, weil Europa ja eh gleich gesagt hat: Man hat gar nicht vor, es zu schaffen. Drum könne man den Satz jetzt offiziell streichen.

Genau als Merkel ihr Wir schaffen das als Leerformel bezeichnete, passierte etwas Dramatisches:

 

Drei Terrorverdächtige wurden in Norddeutschland mit gefälschten syrischen Pässen gefasst. Das war natürlich Alarmstufe Rot für den Joachim Herrmann. Der Balu hat gleich gepulvert: Das BAMF ist ja zu blöd, falsche von richtigen Pässen zu unterscheiden! Da hat der BAMF-Chef gesagt: Ja, aber die sehen sich ja zum Teil ähnlich!

 

Gut, bei manchen war vorne drauf Syrien mit ü geschrieben. Oder das Passfoto war handgemalt. Manche hatten ein Familienfoto drin statt Passfoto und sagten, sie hätten einen Familienpass und der würde auch fürs Freibad gelten.

 

Aber erst Monate später hat die Kanzlerin dann erst richtig gemerkt, dass die CSU mit ihren Prognosen nicht so falsch liegt. Durch den Fall Anis Amri. Da wurde deutlich:  NRW ist nicht ganz auf bayerischem Level.

 

NRW ist sicherheitstechnisch eher eine Mischung aus Mischung aus Libyen und Viererkette von Darmstadt 98.

Der Innenminister dort heißt Jäger. Der Jäger ist vom Fach. Er hat nicht Jura studiert, sondern nur ein Pädagogikstudium abgebrochen.

 

Zum Thema Anis Amri hat der Jäger nur gesagt: Ich kannte Anis bis dato nicht als tunesischen Terroristen, sondern nur als türkischen Schnaps! Und dass der 14 Identitäten hatte, war für mich auch kein Problem. In Köln gilt einer mit 14 Identitäten nicht als Terrorist, sondern als Travestiekünstler.

 

Keinen Travestiekünstler, sondern einen Verwandlungskünstler durfte Bayern am Aschermittwoch erleben. Martin Schulz, der Kurzzeit-Messias der SPD. Eben noch EU-Spesenritter, jetzt auf einmal ein Mann aus dem Volk. Problem für die CSU: die SPD stellte ein Zelt für 5000 Leute auf in Vilshofen. Aber in die CSU-Halle in Passau dürfen nur 4000 rein. Welch Blamage für die Schwarzen!

 

Jetzt hat sich der Scheuer Andi gedacht: Mensch, der Dobrindt hatte vor paar Jahren doch auch 7000 untergebracht in Passau. Da hat der Andi den Alex Dobrindt angerufen und gefragt, wie er das geschafft hat.

 

Aber der Dobrindt konnte ihm nicht weiterhelfen. Der Dobrindt hat gesagt: Das war eine ganz spezielle Software zum Ausdehnen der erlaubten Grenzen. Aber diese Software hat er damals an VW weiterverkauft.

 

Jetzt musste der CSU-General Scheuer tricksen. Paar Tage vor dem Aschermittwoch hat er gepostet: Er freut sich auf gefühlt 10000 Besucher! Der Scheuer Andi und Gefühle! Das passt so gut zusammen wie Schulz und Realität.

 

Der Schulz ist in Vilshofen auf die Bühne und hat gesagt: ich will Kanzler werden! In Deutschland geht es ungerecht zu. Weil die SPD in 15 der letzten 19 Jahre Teil der Bundesregierung war.

 

Dann hat er noch gesagt: Dank Europa musste ich keinen Krieg erleben. Kam bombig an. Obwohl es ein Schmarrn war. Warum hat der Schulz keinen Krieg erlebt? Weil er erst nach dem Krieg geboren ist.

 

Dauernd hat er gesagt: Ich bin einer von euch. Ich war fast ein Vierteljahrhundert in Brüssel als EU-Abgeordneter. Ich weiß, wie hart das Leben sein kann. Für Leute, die nicht im EU-Parlament sitzen.

 

Eine Frau hat zu ihm gesagt: Herr Schulz, ich bin Friseurin, aber ich kann nicht von meinem Gehalt leben! Da hat der Schulz die Frau umarmt und gesagt: Ich weiß, wie du dich fühlst. Meine Frau geht auch regelmäßig zum Friseur.

 

Wenn er Kanzler wird, will er auch das Thema Armut bekämpfen. Das hat er auch gesagt: Es kann und darf nicht sein, dass das untere Fünftel der Gesellschaft mittlerweile 20 Prozent ausmacht.

 

Jetzt ist der Schulz in den Umfragen wieder runtergeplumpst. Weil viele Leute irgendwann gemerkt haben: Der Schulz glaubt das, was er erzählt! Einen Vorteil hatte das Auftauchen vom Schulz für die Merkel: Die CSU geht mit ihr wieder gnädig um.

 

Der Seehofer hat die Merkel nach München eingeladen, um der Welt zu zeigen: Bayern lässt die Kanzlerin leben. Was machen die Medien daraus? Schreiben von einem Einknicken der CSU gegenüber der Kanzlerin. Postfaktischer geht es ja gar nimmer!

 

Und nun nennen wir mal die Dinge beim Namen. Der Merkel-Trip nach München war ein Gang nach Canossa. Die CSU hatte aber schon vorab großzügig zugesichert: An der Einstufung Deutschlands als sicheres Drittland werde nicht gerüttelt. Vorerst.

 

Und jetzt umarmt der Horst die Angela so fest, bis ihr der Hosenanzug platzt. CSU und Merkel, das ist wie kochendes Wasser und eine Weißwurst. Wenn sie zu lange darin schwimmt, platzt sie irgendwann.

 

Der zwischenmenschliche Bereich ist ja traditionell eine Stärke der CSU. Andere Parteien kriegen das leider nicht so gut hin. Grad die bayrischen Grünen befürchten, dass viele Stammwähler eventuell abhauen, weil die Claudia Stamm auch abgehauen ist. Normal ist der Umgang mit Minderheiten eine Stärke der Grünen. Aber wenn die Minderheit aus den eigenen Reihen kommt, ist es vorbei mit der Toleranz.

 

Einige CSUler hofften, dass die Claudia jetzt zur CSU geht, weil ja die Mama dort ist. Ganz nach dem Motto: Blut ist dicker als Cannabis. Aber die Claudia hat gleich gesagt: Daraus wird nix. Sie wird auch keine Modellbaufirma gründen. Sondern eine eigene Partei.

Dabei war die Stimmung bei den bayrischen Grünen so gut. Die haben sich gefreut, dass die Margarete Bause ins Ausland nach Berlin geht. Die Frage war: Wer wird die neue Fraktionschefin? Und es musste eine Frau sein. Weil bei den Grünen geht es nach Geschlechterproporz und nicht nach Kompetenz.

Das haben sie abgekupfert vom Regionalproporz der CSU. Da haben die Grünen gesagt: Wenn der Schulz bei der SPD so eine Euphorie auslöst, brauchen wir eine Schulze.

Und schon war die Katharina Schulze im Amt. Und auf der Suche nach Themen. Dabei hätten die Grünen nur mal ihre oberfränkische Kollegin Elisabeth Scharfenberg fragen müssen. Die Frau Scharfenberg sitzt für die Grünen im Bundestag. Und hatte vor paar Monaten eine grandiose Idee:

Pflegefälle sollen zu Sex mit Prostituierten verdonnert werden. Und zwar auf Rezept. Wie muss man sich das vorstellen, wenn man Sex verschrieben bekommt?

 

Kommt dann irgendwann im Laufe des Tages eine resolute Pflegerin und fragt: So, Herr Gegenfurtner, hamma heut schon unsere Tabletten genommen? Ja? Brav! Und gschnackselt hamma auch schon?

Herr Gegenfurtner, schwindeln Sie mich ja nicht an! Sonst kriegen Sie ein Viagra als Zapferl! Also, ich frage Sie noch einmal: Hamma heut schon gschnackselt?

 

Aber die Katharina Schulze sagt: Sie will nicht Seniorenheime in Bordelle verwandeln, sondern den Bayern Ei-Skandal aufklären. Und hat die Umweltministerin Ulrike Scharf im Visier.

 

Aber die Uli hat immer betont: Bislang ist am Riedberger Horn kein einziges Bayern-Ei aufgetaucht. Aber wenn der Nationalpark im Spessart kommt, will sie sich persönlich dafür einsetzen, dass es im Wirtshaus im Spessart auch Eierspeisen gibt.

 

Jetzt gibt es ja einen Untersuchungsausschuss. Und das Ergebnis steht auch schon: Das Riedberger Horn liegt definitiv nicht im Spessart. Dafür geht das Thema Bayern-Ei aus wie das Hornberger Schießen.

 

Ein Untersuchungsausschuss wäre auch der Bayern-SPD zu empfehlen. Was ist denn bei euch los, dass keiner so richtig Nachfolger vom Pronold werden will? Es gibt ja ein ungeschriebenes Gesetz: der bayrische Ministerpräsident ist ein Oberbayer.

 

Und der bayrische SPD-Chef ist aus Franken. Wann immer dieses Gesetz gebrochen wurde, wurde es chaotisch. Da könnt ihr gern mal den Beckstein und den Pronold fragen. Oder in 15 Jahren den Söder.

 

Und jetzt? Sechs Kandidaten. Alle aus Altbayern. Keiner aus Franken. Den Grund nennt der Fürther OB Thomas Jung. Und jetzt müsst ihr euch anschnallen! Der Jung sagt:

 

In Franken fehlt's an Wichtigtuern, die sich ohne Chance oder erkennbaren Leistungshintergrund vorschlagen lassen. Franken neigen mentalitätsmäßig eher nicht zum Größenwahn.

 

Weil Franken nicht zum Größenwahn neigen! Markus, was sagst da du dazu? Jetzt muss ich schon mal fragen, auch wenn es indiskret ist: Bist du wirklich ein Franke? Vielleicht ist alles nur ein Missverständnis. Und du in Wirklichkeit ein sprachlich verirrter Oberbayer? So gut kenne ich dich ja auch nicht.

 

Wer dich hingegen sehr gut kennt, ist Horst Seehofer. An deinem 50.Geburtstag im Januar richtete der Horst folgende Worte an deine Frau: Ich bilde mir ein, dass ich den Markus besonders gut kenne. Und deshalb haben Sie heute eine besondere Anerkennung verdient.

 

Also, mehr Lob geht nicht. Für deine Frau. Ein Geschenk mit Symbolcharakter hat dir der Thomas Kreuzer geschenkt. Ein Schachspiel mit Star Wars Figuren. Was will dir der Thomas sagen?

 

Wer nach den Sternen greift, muss sich jeden einzelnen Zug gut überlegen. Sonst ist man schneller schachmatt, als man glaubt. Und so mancher Bauer im Spiel entpuppt sich auf einmal als König.

 

Beim CSU Schach gibt es sogar einen Sheriff. Der Joachim Herrmann schweigt schon so lang, dass sich etliche Experten sicher sind: Der hat noch Großes vor. Als Listenführer der CSU ist man ruckzuck Bundesinnenminister.

 

Und die Frau Merkel hätte ja gern wieder einen, der das Volk nicht permanent verunsichert. Wer, wenn nicht der Balu? Er übt schon fleißig. War unlängst im Libanon und in Nordrhein-Westfalen. Damit er die Krisengebiete im Ausland kennenlernt. So einer hat das Zeug zum Parteichef. Sagt sogar der Huber Erwin. Und der Erwin war immerhin der mit Abstand am längsten amtierende CSU-Parteichef. Bezogen auf das Jahr 2008.

 

Apropos Huber Erwin: Vor kurzem trafen sich Stoiber Edmund, Beckstein Günther, Huber Erwin, Waigel Theo und der Glück Alois. Das ist quasi der Krieger- und Veteranenverein der CSU. Und die haben dem Seehofer ihren Segen erteilt, dass er weitermachen soll.

 

Das hat den Horst so beflügelt, dass er dann im Bundesrat so richtig aufgedreht hat. Immerhin ging es da um das größte und wichtigste Projekt der Nachkriegsgeschichte: Die PKW-Maut. Der Horst musste nur das Stichwort Länderfinanzausgleich fallen lassen. Und schon kuschten alle und haben der Maut zugestimmt. Sogar das sozialistische Nachbarland Thüringen.

 

Das Integrationsgesetz für Bayern war auch ein großer Wurf. Nicht von Ideologie geprägt, sondern von Humanismus. Ganz nach dem Motto: Wer bei uns nix verloren hat, hat hier auch nix zu suchen.

 

Da hat die Opposition gesagt: Aus der Debatte machen wir ein Filibuster! In der CSU wusste kaum einer, was das ist! Ich habe selber mal ein Kabinettsmitglied gefragt, was er von Filibuster hält. Der hat gleich gesagt: Wos? Filibuster? Mei Frau sagt, der von Vorwerk saugt besser.

 

Und dann sagt der Rinderspacher in dieser ewig langen Debatte: Die CSU will diesem Land einen stramm rechts gescheitelten Haarschnitt verordnen. Mensch, Markus, agratt du mit deiner Frisur bringst so eine Aussage!

 

Jetzt wirfst dem Seehofer auch noch Wahlbetrug vor! Wie hast am Montag gesagt: Er verhindert die Karriereabsichten eines jüngeren Ministers! Das ist infam, lieber Kollege Rinderspacher. Der Seehofer verhindert vielleicht die Karriere vom Söder. Aber doch nicht seine Absichten.

 

Die Katharina Schulze meinte zu dem Thema: Seehofer ist ein Kandidat von gestern. Liebe Grünen, eben nicht! Würde er aufhören, wäre er ein Mann von gestern. Zukunft ist nie hinten. Ihr Grüne verwechselt das scheinbar mit der Umstellung von Sommerzeit auf Winterzeit.

 

Selbst der Aiwanger hat sich am Montag noch auf den Horst eingeschossen.  Das sei nur Politik von der Hand in den Mund, was der Seehofer treibt. Hubsi! Ihr nähert euch der 5-Prozent-Marke! Sprich: An eurer Hand sind schon gar keine Finger mehr dran!

 

Da haust du so einen Spruch raus? Seehofer hätte keine eigenen Visionen, hast gesagt. Weißt was, Hubert? Heid saufst no drei Maibock, und du wirst dich wundern, welche Visionen du dann kriegst.

 

Der Seehofer hat doch erklärt, warum er weitermacht: Die Welt hat sich geändert! Woher hätte er das vor 4 Jahren wissen sollen? Bis vor 4 Jahren hatte sich die Welt doch nie verändert. Aus Sicht der CSU.

 

Die Lage ist dramatisch: Der FC Bayern im Viertelfinale der Champions League raus. Der FC Ingolstadt auf einem Abstiegsplatz. Da kann der Seehofer doch nicht das Ruder an einen Fan des 1.FC Nürnberg übergeben.

 

Und der Söder geht sehr souverän mit der neuen Situation um. Er hat gleich gesagt: Seehofer kriegt seine ehrliche Unterstützung. Da haben die anderen im CSU-Präsidium gesagt: Das ist ja ganz was Neues. Als Prince Charles der CSU wirst jetzt bezeichnet. Das ist eine grobe Beleidigung. Erstens für deine Ohrwaschel. Zweitens für deine Frau Karin.

 

Und leicht hat es sich der Seehofer nicht gemacht mit der Entscheidung. Die fiel erst am Samstagabend. Der Horst hat sogar gesagt: Er habe schon lange nicht mehr so viel Rotwein getrunken. Es war also alles andere als eine nüchterne Entscheidung. Er musste sich das Doppelamt quasi erst schön saufen.

 

Und selbst das Orakel von Wolfratshausen findet diese Entscheidung gut. Das Zugpferd schlecht hin ist der Seehofer, sagt der Stoiber Edi. Das stärkste Kaliber mit einer hohen Wasserverdrängung. Für den Edi ist der Horst quasi ein Nilpferd. Da hörst es, Rinderspacher: Wasserverdrängung! Und du brauchst sogar im Planschbecken Schwimmflügerl!

 

Hauptberuflich ist der Markus zwar Kronprinz, aber er ist ja ehrenamtlich auch noch Finanzminister. Ich hätte übrigens noch ein Ehrenamt für dich: Du könntest dich um den Bausback kümmern. Jetzt wirst mich fragen: Wer ist das? Angeblich ist der seit fast vier Jahren Justizminister. In Bayern.

 

Jetzt schaust, gell? Denk dir nix, ich hab selber erst googeln müssen, ob das stimmt. Der Winfried Bausback hat noch Defizite in der Öffentlichkeitswirkung. Den nimmt man einfach nicht wahr. Und wenn doch, dann vergisst man ihn gleich wieder.

 

Bei der Klausur in St. Quirin im Juli musste er sich sogar bei den Polizisten ausweisen am Einlass. Er hat gleich gesagt: ich bin der bayerische Justizminister. Da hat der Polizist gesagt: Und ich bin der Kaiser von China.

 

Aber er sagt selber: Mittlerweile ist es schon nervig, dass ihn kaum einer kennt. Neulich hat er seine Frau gefragt, ob er zum Frühstück ein Rührei kriegt. Und sie hat gesagt: Wer sind Sie überhaupt?

 

Den Nebenjob als Finanzminister nimmt der Markus übrigens nach wie vor sehr ernst. In dieser Funktion war er im Oktober in Penzberg. Da war die Landesversammlung der Jungen Union Bayern.

 

Und der Markus sagte dort zum Thema Länderfinanzausgleich: Der Freistaat Bayern ist die karitativste Einrichtung Deutschlands. Ich finde, bayerisches Geld ist am besten in Bayern aufgehoben – und nicht in Berlin.

 

Markus, das war fast bissl populistisch. In Berlin geht durchaus was voran. Beispiel Flughafen. Der BER ist jetzt ausgezeichnet worden. Bekam einen Preis für den ersten CO2-freien Airport auf der Welt.

 

In deiner Rede in Penzberg habe ich übrigens einen sehr schönen Satz entdeckt. Ich zitiere: Ich hab vor über einem Jahr eine Rede im Deutschen Bundestag gehalten, die mich sehr beeindruckt hat.

 

Ich finde, das passt wunderbar als Schlussgedanke zum diesjährigen Maibockanstich. Wir haben ja doppeltes Jubiläum. 50 Jahre du auf der Welt. 10 Jahre ich als Maibockredner.

 

Ich habe zum Michael Möller schon gesagt: Michael, solange der Markus als Finanzminister der Gastgeber ist, bin ich auch dabei. Ich mache also die 20 voll.

Du hast meine ehrliche Unterstützung. Und auch der Seehofer sagt:

Du bist als Finanzminister unverzichtbar. Und zwar so unverzichtbar, dass du als Ministerpräsident glatt verzichtbar bist.

 

In diesem Sinne: Schwoammas obe!

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