Rede Django Asül Maibockanstich 2018

Liebe Festgäste, welch schöner Anblick. Wenn ich so in die Reihen schaue, überkommt mich ein Freudenschauer. Alles anwesend, was Rang und Namen hat. Vom Verantwortungsträger bis zur Freibierlätschn. Das ist gelebter Liberalismus und Pluralismus.

 

Und vor allem: Herzlich willkommen, Ministerpräsident. Mensch, Markus, damit hast nicht gerechnet, gell – dass es doch so lang dauert. Ja, so spielt das Leben: Manchmal drängt sich ein Amt förmlich auf, ob man will oder nicht. Du warst stets ein demütiger Diener. Du hast nie an dich gedacht, sondern immer nur an die Durchsetzung deiner persönlichen Ziele.

 

Auch wenn du jetzt eine neue Funktion hast: Du darfst trotzdem Du zu mir sagen. Fünf Jahre lang warst du hier der Gastgeber. Jetzt bist du nur Gast.

Du warst fünf Jahre lang meine Vorband. Der Freistaat dankt dir auf besondere Weise: Pünktlich zur 100-Jahr-Feier des Freistaates hockst jetzt in der Staatskanzlei. Auch das ist ein Akt der Selbstlosigkeit. Der Lebenstraum von Horst Seehofer war: Innenminister in Berlin. Nächtelang hast dir den Kopf zerbrochen, wie du dem Horst bei der Erfüllung dieses Traumes helfen konntest.

 

Die CSU ist bekannt als eine sehr egomanische Partei. Die Alleinregierung gehört quasi zur DNA der CSU. Doch du hast der Welt gleich gezeigt: Du hast keinen Bock aufs Alleine regieren. Sondern jedes Ministerium soll einen eigenen Minister bekommen. Außerdem ist die CSU bekannt als eine Macho-Partei.

 

Und auch da hast du gleich klar gemacht: Das Kabinett soll nicht nur jünger, sondern auch weiblicher werden. Das hat man schon früher oft gehört. Aber du hast den großen Worten Taten folgen lassen. Da können sich alle anderen Bundesländer eine Scheibe abschneiden: Volle 100 Prozent beträgt im Söder-Kabinett der Frauenanteil unter den Ministerinnen.

 

Überhaupt hat sich der Söder bei der Zusammensetzung der Staatsregierung viele Gedanken gemacht. Er hat ja ein Faible für Geschichte und Symbolik. So haben sich zum Beispiel viele gefragt: Warum ist jetzt ein Florian Herrmann der Leiter der Staatskanzlei? Der Herrmann hat schon besondere Fähigkeiten. Er ist z.B. Organist.

 

Da mag sich der Söder gedacht haben: Wer Organist ist, muss gut organisieren können. So einen kann ich in der Staatskanzlei brauchen. So war es aber nicht. Der Markus wusste längst: 2018 feiert die TU München ihren 150. Geburtstag. Und der TU-Präsident Wolfgang Herrmann wird 70. Drum hatte der TU-Präsident einen Wunsch frei bei der Staatsregierung.

 

Und der honorige Herrmann hat gesagt: Ich bin wunschlos glücklich. Aber der Bua! Zwei linke Hände und auch noch Jurist. Wie kriegen wir den von der Straße weg? Da hat der Markus dem TU-Präsidenten gesagt: Machen Sie sich keine Sorgen, im Rahmen eines Resozialisierungsprogramms kriegen wir den in der Staatskanzlei unter.

 

Bislang stellt sich der Florian Herrmann nicht dumm an. Gut, er ist auch vorgewarnt. Er war nämlich 2013 Vorsitzender des Untersuchungsausschusses im Fall Gustl Mollath. Der Florian weiß also, was einem in Bayern blühen kann, wenn man nicht pariert.

 

Ein ganz anderer Fall ist der Georg Eisenreich. Der hat sich langfristig auf Markus Söder vorbereitet. Geboren 1970 in München. Aber: 1981 mit nur 11 Jahren zog er tatsächlich schon nach Nürnberg. 1982 hat er sich die Telefonnummer vom Söder besorgt.

 

Dafür wurde er jetzt belohnt: Er darf sich Minister für Europa und Digitales nennen. Das ist ein sehr überschaubares Aufgabengebiet. Vormittags muss der Eisenreich twittern: Der Macron ist ein Depp. Nachmittags muss er ein Selfie vom Söder machen.

 

Ähnlich weitsichtig wie Eisenreich ging auch der Bernd Sibler vor. Das Besetzen des Bildungsministeriums war für ihn ein Langzeitprojekt. Der Minister für Bildung muss ein Gscheidhaferl sein. Und das war der Sibler schon immer. Ich selber wurde 1989 ein Opfer seines Gscheidhaferltums. Wir waren beide unter den Kandidaten bei der BR-Quiz-Sendung Supergrips.

 

Und weil der Sibler alles wusste, kam ich gar nimmer dran. Das war reiner Zufall, dass er vor mir dran gekommen ist. Kein Zufall war, dass er alles gewusst hat. Keiner war jemals gescheiter und schneller in der Geschichte dieser Sendung. Mir war damals schon klar: Der wird mal Bildungsminister.

 

Und weil der Sibler so gescheit ist, hat er sich nach dem Studium gedacht: Als Bildungsminister muss ich schauen, dass ich mit dem Landkreistagspräsidenten und mit dem Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes gut auskomme. Und ich muss schauen, dass ich beim Maibockanstich nicht wie der letzte Depp da unten sitze.

 

Und jetzt wird’s spektakulär: Wo hat der Landkreistagspräsident Bernreiter sein Abitur gemacht? Robert-Koch-Gymnasium Deggendorf. Wo habe ich mein Abitur gemacht? Robert-Koch-Gymnasium Deggendorf. An welcher Schule ist der Chef des Deutschen Lehrerverbandes Meidinger tätig? Robert-Koch-Gymnasium Deggendorf. Preisfrage: an welcher Schule wurde Bernd Sibler Lehrer? Robert-Koch-Gymnasium Deggendorf.

 

Drum hat sich auch der Söder gedacht: So ein Meisterstratege gehört ins Kabinett. Grad als Nachfolger vom Spaenle. Wobei der Spaenle nicht am Amt gescheitert ist. Sondern an seinem Namen. Für Söder war klar: Wenn der Seehofer in Berlin einen Spahn im Kabinett hat, darf sich der Söder in München nicht mit einem Spaenle zufriedengeben.

 

Zumal die Endung -le schon für die neue Wissenschaftsministerin Marion Kiechle reserviert war. Markus hat ja das Spaenle-Ministerium zweigeteilt in Bildung und Wissenschaft. Es war also klar: die Nachfolger müssen sich ein Büro teilen. Und sollten dementsprechend schlank sein. Drum kam Söder am Sibler gar nicht vorbei. Der Sibler schaut auch so jung aus.

 

Er will aber immer älter wirken, damit er ernst genommen wird. Der Bernd ist der einzige Mensch, den ich kenne, der seine Haare grau färbt. Als Gegenpol zum Gscheidhaferl Sibler wollte Söder eine kluge Frau für den Bereich Wissenschaft. Und das ist natürlich nicht so leicht.

 

Weil es ja kluge Frauen wie Sand am Meer gibt. Lasst mich halt mal ausreden! Die Liste der klugen Frauen war ellenlang. Jetzt musste es aber eine Frau sein, die gerne mit dem Söder zusammenarbeitet. Da wurde die Liste aber ganz schnell sehr kurz.

 

Mit Marion Kiechle haben wir nun eine Wissenschaftsministerin, die damit leben kann, dass sie einem Söder intellektuell hoffnungslos überlegen ist. Mit Frau Kiechle kann Söder auch außerhalb Bayerns punkten. Sie ist zum vierten Male verheiratet. Also quasi Bayerns Antwort auf Gerhard Schröder.

 

Sie ist ja erst nach ihrer Ernennung zur Ministerin auch in die Partei eingetreten. Normal ist es ja genau andersrum in Bayern: Man tritt in die CSU ein, um Minister zu werden. Das beweist einmal mehr: Diese Dame wurde wegen ihrer Kompetenz ins Kabinett geholt.

 

Frau Kiechle, das können nicht viele von sich behaupten. Der Florian Herrmann wird sich jetzt auch immer gut überlegen, was er alles anstellt in der Staatskanzlei. Weil der Florian immer im Hinterkopf hat: die Frau Kiechle ist die Chefin von seinem Vater.

 

Wir haben einen neuen Gastgeber. Der Albert Füracker ist jetzt keine große Überraschung. Seit der Markus auch Heimatminister war, hat sich der Albert eh schon um die Finanzen gekümmert. Auf Wikipedia steht: Füracker besuchte das Gymnasium in Parsberg bis zur Mittleren Reife.

 

Das heißt aber nicht, dass in der Oberpfalz das Gymnasium nur bis zur Mittlere Reife geht. Der Albert hat sich halt damals schon gedacht: Für meinen weiteren Lebensweg reicht Mittlere Reife. Ich will ja Landwirt werden und nicht so tragisch enden wie der Florian Herrmann oder der Georg Eisenreich.

 

Außerdem: Dein Vorvorgänger Georg Fahrenschon hat Abitur und Studium. Was hat es ihm gebracht? Besuch vom Staatsanwalt. Mit Zahlen und Fristen hat es der Fahrenschon scheinbar nicht so. Der Füracker hat die Zahlen im Griff. Aber scheinbar nicht immer die Buchstaben.

 

Auf deiner Internetseite steht unter Mitgliedschaften u.a. Bolivenhilfe e.V. Ich habe mich gefragt: Was sind denn Boliven? Bayerische Oliven?

Und der Albert ist auch im Verband der Heimkehrer. Ich kannte das noch gar nicht. Heimkehrer!

 

Das sind Landtagsmitglieder, die von ihren Frauen aus nicht auswärts übernachten dürfen. Und sein erster Berufswunsch war Astronaut. Da merkt man schon die Nähe zum Söder. Immer hoch hinaus.

Schon im Juli 2015 bezeichnete dich die Süddeutsche Zeitung als Söders Zwillingsbruder.

 

Seitdem hält sich hartnäckig das Gerücht, dass der Markus ein Toupet trägt. Ein anderes Gerücht besagt: Der Füracker musste sich auf Befehl vom Söder eine Glatze schneiden lassen, damit der Markus neben ihm zwei Zentimeter größer ausschaut.

 

Füracker genießt vollstes Vertrauen vom Söder. Du hast ihn auch schon bald als Staatssekretär oft nach Berlin geschickt, um Finanzfragen mit dem Bund zu klären. Das bezeichnete der Füracker als – ich zitiere – nächste Erweiterung meines Horizonts. Damit wollte der Albert aufzeigen, dass er immerhin einen Horizont hat.

 

Das Vertrauen dankte der Albert dem Söder im letzten Herbst ganz deutlich: Der Albert war der erste, der nach der Bundestagswahl Seehofer in Frage stellte. Aus Füracker wurde quasi der Gegenacker. Da meinte der Albert: Gegenacker klingt zu negativ. Besser gefällt ihm Fürsöderacker.

 

Für Söder Ackern ist ja sein Job. Mit 99 Prozent wurde er zum CSU-Bezirkschef gewählt. Ein Prozent Differenz zum Söder aus Anstandsgründen ist Pflicht.

Füracker ist quasi der Inbegriff der Bodenständigkeit. Passt zum Finanzressort. Drum war ja der Markus sein Vorgänger.

In Zeiten der Globalisierung muss ein Wirtschaftsminister das Gegenteil von bodenständig sein. Kosmopolitisch, weltläufig, weitgereist, international vernetzt – das muss ein Wirtschaftsminister heute draufhaben. Drum war völlig klar, wer das Wirtschaftsressort übernimmt: Der Pschierer Franz.

 

Der Franz ist in Haunstetten geboren und hat in Augsburg studiert. Er hat also zwischen Geburt und Uni-Abschluss sage und schreibe 4,9 km zurückgelegt. Internationaler geht es gar nicht. Außerdem ist er Mitglied bei den Maltesern, obwohl er noch nie auf Malta war.

 

Vor allem sagt der Pschierer: Wenn er den Kontakt zu fremden Kulturen sucht, fährt er nach Neugablonz. Der Markus hält ganz große Stücke auf den Pschierer. Der Söder sagt: Der Pschierer ist Präsident vom Allgäu-Schwäbischen Musikbund.

 

Der weiß genau, nach wessen Pfeife er tanzen muss.

Zudem hat der Söder immer schon gesagt: Sein Kabinett muss jünger und weiblicher werden. So gesehen kommt man an einem Pschierer gar nicht vorbei.

 

Noch jünger und noch weiblicher als der Pschierer ist die Michaela Kaniber. Sie ist zu recht Landwirtschaftsministerin geworden. Die Michaela hat die für dieses Amt erforderliche Anzahl von Dirndl bei weitem übertroffen. Noch ein Charivari mehr und es hätte sogar fürs Heimatministerium gereicht.

 

Drum war für Markus klar: Die Kaniber hat daheim eine Wirtschaft und ist vom Land. Also wird sie Landwirtschaftsministerin.

Sollte der Füracker mal wie der Fahrenschon keine Steuererklärung abgeben, käme Michaela Kaniber als Nachfolgerin in Betracht. Sie ist nämlich gelernte Steuerfachangestellte.

 

Und sie ist auch noch Vorsitzende des Gefängnisbeirats der JVA Laufen. Ich weiß nicht, welches Vorstrafenregister man für so ein Amt vorweisen muss. Aber man merkt gleich: Michaela Kaniber ist durchaus bereit, auch unkonventionelle Methoden anzuwenden.

 

Und doch will sich Michaela noch mehr ehrenamtlich engagieren. Unbestätigten Agenturmeldungen zufolge plant sie als Steuerexpertin und Gefängnisexpertin einen Verein namens Rettet Georg Fahrenschon e.V. Sie geht also gerne dahin, wo es weh tut.

 

Drum war sie auch Mitglied im Untersuchungsausschuss Modellbau. Dort konnte sie ihre Geradlinigkeit und Unbestechlichkeit unter Beweis stellen. Sie hat sich das alles genau angeschaut und festgestellt: Das sind lauter schöne Autos.

Sie ist also alles andere als eine Quotenfrau. Sie hat auch noch drei Kinder und stammt aus einem Wirtshaus raus. Michaela Kaniber hätte also genauso gut als Sozialministerin eine gute Figur gemacht. Für diesen Job ist aber die Kerstin Schreyer prädestiniert.

 

Sie hat schon Sozialwesen studiert. Zu einer Zeit, als es noch keine Sozialfälle in der bayerischen Staatsregierung gab. Also schon eine Weile her.

Sie hat sich hohe Ziele gesetzt. Sie will für gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgen. Nicht leicht, wenn ein Teil der Gesellschaft Markus Söder heißt.

 

In einem Interview mit der Welt am Sonntag im Juni 2017 hat sie sich selber folgendermaßen beschrieben: Ich bin eher dafür bekannt, dass ich etwas sperrig, kantig und manchmal anstrengend bin. Das ist doch mal eine solide Selbstauskunft. Und vor allem wissen wir nun: Der Geist des Ludwig Spaenle bleibt dem Kabinett dank Frau Schreyer erhalten.

 

Und es gibt auch schon deutliche Anzeichen für ein neues Dreamteam im Kabinett: Huml & Schreyer. Dank der Neufassung des Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetzes. Was ist das? Zu Strauß-Zeiten hätte man gedacht: Da geht es um den Umgang der CSU mit der Opposition. Das habe ich mir bissl erklären lassen.

 

Da soll es um mehr Prävention und mehr Unterstützung für psychisch Kranke gehen. Dafür soll es landesweit Krisendienste geben. Und diese Krisendienste sollen auch innerhalb der CSU eingesetzt werden, falls im Herbst die absolute Mehrheit verfehlt wird.

 

Apropos Krise: Dass überhaupt ein neues Kabinett entstehen musste, war natürlich der Bundestagswahl geschuldet. Für die CSU war das ein Desaster. Hätte Jamaika geklappt, wäre das vielleicht gar nicht so schmerzhaft gewesen.

 

War natürlich schon eine tolle Vision, dieses Jamaika: Da denkst an Sonne, Strand und Meer. Horst Seehofer mit Neopren-Lederhose auf einem Surfbrett. Daneben Angela Merkel im Bikini. Zu ihren Füßen Cem Özdemir im Burkini. Und der Christian Lindner mit den Schwimmflügerln.

 

Aber für die CSU war das Wahlergebnis brutal. Minus 10,5 Prozent bei der Wahl! Da war klar: Jetzt werden in Bayern Köpfe rollen. Und siehe da: Drei Tage später war es so weit. Ancelotti weg.

Das ist dieser typische Reflex in Bayern: Da hauen wir erst mal einen Ausländer raus. Und dann wird die Stimmung hoffentlich besser. Aber die Realisten in der CSU stellten zu recht die Frage: Wie geht es weiter? Da hieß es: Zunächst muss der FC Bayern stabilisiert werden. Alles andere findet sich. Heißt in dem Fall: Heynckes verlängert bis zur nächsten Bundestagswahl und dann sengma weida.

Doch der CSU wurde die CDU zum Verhängnis. Wie hat der große CSU-Philosoph Uli Hoeneß gesagt: Der Feind in deinem Bett ist der gefährlichste!

 

Und wen hat die CSU ins Bett gelassen? Die Angela Merkel! Und sie erzählt jedem, der es nicht hören will, dass sie keine Obergrenze will.

Da sagt der bayerische Wähler: Dann zeigen wir mal der CSU, dass es auch keine Untergrenze gibt.

 

Und überhaupt war der CSU-Wähler von Haus in einem Dilemma im September. Weil es klar war: Wer Seehofer wählt, wählt Merkel. Das ist wie wenn man sich ein Ticket für den FC Bayern kauft. Anschauen darf man dann aber nur Hansa Rostock gegen Mensa Schwerin. Und dann stellt sich die Merkel nach der Wahl hin und sagt: Ich wüsste nicht, was wir hätten anders machen sollen.

 

Für die Merkel war also der Wähler schuld. Die Merkel denkt sich halt: Was kann ich dafür, wenn der Wähler zu blöd ist, das Kreuz an der richtigen Stelle zu setzen? Der Seehofer war da anders. Der hat sich gleich hingestellt und gesagt: Bläd glaffa!

 

Und am Tag nach der Wahl kamen schon ganzen Heckenschützen aus der CSU auch noch daher. Zum Glück hat sich der Söder gleich auf die Seite vom Seehofer geschlagen. Der Söder hat gesagt: (nur wortlose Gesten).

 

Damit war alles gesagt. Den Rest hat der Dobrindt erledigt. Der Dobrindt ist jetzt der CSU-Chef in Berlin. Optimale Lösung. Der Dobrindt hat ja als Verkehrsminister bewiesen, dass er ein Spezialist für Sackgassen ist. Und es standen ja die Koalitionsverhandlungen an. Nicht mit FDP und Grüne. Mit der CDU.

 

Das war ja der Knackpunkt: Ist eine gemeinsame Regierung mit CDU und CSU möglich? Die CSU-Basis will ja an sich mit den linken Chaoten von der CDU nix mehr zu tun haben. Aber dank Dobrindt hat es geklappt nach dem ersten Gespräch zwischen CDU und CSU. Beschlossen wurde eine Sackgasse für Flüchtlinge.

 

Und bei den Jamaika-Verhandlungen ging Dobrindt allen auf den Sack. Vor allen den Grünen. Die Grünen sind ja wirklich oft über ihren Schatten gesprungen. Haben das Datum für das Ende der Kohle und das Ende des Verbrennungsmotors einkassiert. Und was macht der Dobrindt?

Sagt: Das Einkassieren von Schwachsinnsterminen ist noch lange kein Kompromiss. Da wusste jeder: Die CSU ist so scharf auf Jamaika wie die Angela Merkel auf ein Abendessen mit Viktor Orban.

 

Aber dann hat es die CSU doch noch geschafft, selber ein Mega-Feuerwerk zu inszenieren. Es ging um die Frage: Wer wird Nachfolger von Horst Seehofer als Ministerpräsident? Das Duell der Duelle lautet zunächst: Joachim Herrmann gegen Markus Söder. Der Sheriff gegen den Desperado. Ein Showdown wie im Italo-Western.

 

Ein Erlanger gegen einen Nürnberger. Ein Franke gegen einen Franken. Quasi ein Franko-Western. Da haben die Oberbayern gesagt: Zwei Franken?!? Das ist auf keinen Fall akzeptabel – im Finale muss mindestens ein echter Bayer dabei sein. Es drohten also bürgerkriegsähnliche Zustände.

 

Angeblich gab es sogar Pläne, dass sogar Unterstützung aus den Flüchtlingsunterkünften organisiert wird, falls es eskaliert: Die Sunniten kämpfen dann für die Altbayern und die Schiiten für die Franken.

 

Doch mittendrin bekamen Horst Seehofer und Markus Söder die Erleuchtung auf dem Parteitag in Nürnberg. Söder sagte: Ich bin ein Teamplayer. Ich wusste es nur noch nicht. Seehofer sagte: Ich bin ein Söder-Fan. Ich wusste es nur noch nicht.

 

Dann lagen sie sich in den Armen. Und Seehofer trat hinaus vor die Pressemeute und sprach: Das Werk ist getan. Dann trat Söder an die Mikrofone und sprach: Mit Mut und Demut werde ich mein Amt antreten.

Seehofer lächelte selig und meinte: Das Werk ist getan. Über beiden strahlte der Scheinheiligenschein.

 

Ein Engelschor erklang. Der Himmel öffnete sich und der Herr sprach… Nein, nicht der Herr. Das hatte sich nur der Söder eingebildet. Edmund Stoiber sprach! So war es. Genau, Stoiber meinte: Das hätten wir auch ohne diese Verletzungen regeln können. Tja, hätte. Aber das hätte nicht zur CSU gepasst.

 

Seehofer ist jetzt Innenminister in Berlin. Er soll dort im Auftrag Bayerns die Teilbesetzung Deutschlands einleiten. Also muss ab jetzt die bayerische Opposition dem Söder Contra geben. Die legitime Nachfolgerin von Seehofer ist die neue SPD-Chefin Natascha Kohnen. Sie zeigt sich ähnlich flexibel in der Meinungsbildung wie der Horst.

 

Die Natascha Kohnen war nach der Bundestagswahl erst gegen die große Koalition und am Ende doch dafür. Dafür ist sie in Bayern gegen eine große Koalition. Also nach der Wahl dann wahrscheinlich schon dafür. Die Stimmung in der bayerischen SPD ist gut und entspannt.

 

Den Martin Schulz habt ihr ja gut überlebt. Beim letzten Maibock habe ich noch gesagt: In einem Jahr kennt den keiner mehr. Da wurde ich eines Besseren gelehrt: Schon nach einem halben Jahr hat den Schulz keiner mehr gekannt.

 

Mit Schimpf und Schande wurde der Schulz von seinen Genossen vom Hof gejagt. Und dann wurde dem Schulz vorgeworfen: Er ist umgefallen, weil er doch eine GroKo eingehen wird. Was aber so nicht stimmt. Wer am Boden liegt, kann nicht umfallen.

 

Laut Frau Kohnen ist die SPD Stand heute die einzige Partei, die mit der CSU nicht koalieren würde. Weil die CSU sie noch nicht gefragt hat. Die Grünen sind da schon weiter. Der Hartmann Ludwig sagt: Mir dattn scho gern regieren. Bei der Präsentation des Wahlprogramms meinte der Ludwig:

 

Wir haben noch nie so viel Aufwand betrieben bei der Erstellung eines Wahlprogramms. Gut, hätte bislang auch keinen Sinn gemacht. Aber mittlerweile hat die CSU einen großen Respekt vor euch. Woran merkt man das? Die CSU hat eine Koalition mit euch ausgeschlossen.

 

Wenn die Frau Kohnen also eine Koalition mit der CSU ausschließt, will sie dadurch ihren Respekt vor der CSU zum Ausdruck bringen. Aber die Grünen haben schon auch Widersprüche im Wahlprogramm: Legalisierung von Cannabis soll her, aber auch Fahrverbot für Diesel.

 

Ludwig, da müsst ihr bissl pragmatischer werden. Weil mit einem Joint kommst du nicht so weit wie mit einem Turbodiesel. Aber imagemäßig seid ihr mittlerweile vorn dabei. Neulich gab es in Bayern eine Umfrage. Die Frage lautete: Soll die CSU lieber mit den Grünen oder mit der SPD koalieren?

 

Da haben 48 Prozent geantwortet: Mit den Grünen. 52 Prozent haben geantwortet: Was ist SPD? Und auch die Katharina Schulze hat sich längst als großer Söder-Fan geoutet. Sie hat vor genau einem Jahr gesagt: Seehofer ist ein Kandidat von gestern. Auch sie setzt also ganz klar auf Söder.

 

Wobei auch der Ludwig dem Markus den roten Teppich ausrollt. Was hast gesagt am Tag der Amtseinführung vom Söder: Das ist ein historischer Moment. Wir erleben zum letzten Mal, wie ein bayerischer Ministerpräsident mit der absoluten Mehrheit der CSU gewählt wird.

 

Wobei der Markus auf Anfrage bestätigt hat: Es ist kein Hausverbot für die Grünen geplant nach der Landtagswahl. Wenn es also nach dem Söder geht, dürft ihr jederzeit wieder dabei sein, wenn ein Ministerpräsident mit der absoluten Mehrheit der CSU gewählt wird.

 

Seehofer war dabei bei der Inthronisierung vom Söder. Und gratulierte ihm sogar. Aber zwischen den beiden saß dann sicherheitshalber der Thomas Kreuzer. Der Kreuzer beneidet ja Leute wie den Hartmann oder den Rinderspacher. Die können einfach nur Fraktionschef sein. Aber der Thomas hängt immer zwischen Söder und Seehofer. Da ist er mehr Sozialarbeiter und Mediator.

 

Für friedliche Stimmung sorgte an dem Tag auch der Hubert Aiwanger. Der Hubert wollte den Seehofer auf andere Gedanken bringen am Tag seines Abschiedes von der Macht. Drum hatte sich der Hubert ein passendes Thema für seine Rede ausgesucht: Er referierte über EU-Schlachtverordnungen für Metzger.

 

Der Aiwanger entpuppt sich immer öfter als politischer Feingeist. Vor paar Monaten hat es geheißen: Der Hubert hat ein Problem mit dem Strabs. Da hat die CSU nur gesagt: Einen Aiwanger will man sich mit Straps gar nicht vorstellen. Dabei meinte der Hubert den Straßenausbaubeitrag.

 

Dem Aiwanger ist es zu verdanken, dass die Staatsregierung diese Beiträge nicht mehr von den Anwohnern kassieren will in Zukunft. Hubert, da brauchst dich nicht wundern, wenn dich der Söder fragt, was er noch alles tun soll, damit er im Herbst wieder die absolute Mehrheit kriegt.

 

Wohin geht die Reise in Bayern unter Söder? Sein Blick geht eindeutig nach vorne. Klar, weil in der Vergangenheit hat er nix zu melden gehabt. Seine Regierungserklärung hat weltweit für Furore gesorgt. In der Türkei hat Erdogan gleich vorgezogene Wahlen ausgerufen. Nordkorea hat das Ende des Atomprogramms bekannt gegeben.

 

Die Regierungserklärung zeigt: Söder fokussiert sich auf das Wesentliche. Also auf alles. Er will ein Spezialist für das Generelle werden. Denn er will das Beste für Bayern. Der Abstand Bayerns zum Rest der Republik soll größer werden. Dafür soll das All umso näher an Bayern heranrücken.

 

Das Schlagwort dazu lautet: Bavaria One. Da denkt sich jetzt der Aiwanger: Wos, die wollen Bayern 1 auf Englisch umstellen? Nein, das ist nicht die englische Ausgabe des Radiosenders Bayern 1. Sondern ein Raumfahrtprogramm.

 

Jedes Marsmännchen soll erfahren, wer jetzt in Bayern das Sagen hat. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis im Weltall die erste Bayerische Vertretung eingeweiht wird. Das Thema Künstliche Intelligenz will der Markus ebenfalls forcieren. Ein deutliches Indiz, dass er seiner eigenen natürlichen Intelligenz nicht über den Weg traut.

 

Bei der illegalen Migration will er die Zügel anziehen. Wer sich nicht abschieben lassen will, wird eingesperrt. In einem Ankerzentrum. Unter anderem in Hof. Für einen Nürnberger ist Hof scheinbar die Höchststrafe. Außerdem soll eine bayerische Grenzpolizei her. Der Markus will genau wissen, wer da aus Deutschland nach Bayern kommt.

 

Und als besonderes Highlight kriegen die bayerischen Städte eine bayerische Kavallerie. Wie damals im Königreich Bayern. Im Fasching lief ja der Söder schon als Prinzregent Luitpold rum. Mit den Reiterstaffeln wird Bayern dann zum Freilichtmuseum. Ein Hauch von Monarchie soll also wieder Einzug halten in Bayern.

 

Zumindest für die nächsten zehn Jahre. Dann will ja Söder aufhören. Dann wäre wieder Platz für die Zukunft. Der dritte Nationalpark wird gestrichen. Das braucht es nicht, denn Söder will ganz Bayern zu einem Nationalpark umgestalten. Die dritte Startbahn am Flughafen kommt nur, wenn sie zeitgleich als zweite S-Bahn-Stammstrecke genutzt werden kann.

 

Das neue bayerische Familiengeld soll die Bayern wieder zum Kinderkriegen animieren. 250 Euro pro Monat und sogar 300 Euro ab dem dritten Kind. Der Söder sagt: Die Merkel hat viele Familien reingelassen, wo es zwei Frauen und acht Kinder gibt. Da muss jetzt Bayern dagegen halten.

 

Außerdem sollen bis 2025 in Bayern 500.000 Wohnungen gebaut werden. Markus ist da sehr optimistisch, dass das klappt. Er sagt: Er hat als Finanzminister sogar selber viele Wohnungen des Freistaates verkauft, damit Platz ist für neue Wohnungen.

 

In sämtlichen Behörden sollen wieder Kreuze hängen. Als Gedächtnisstütze, damit alle wissen, wo sie am 14.Oktober ihr Kreuz machen sollen.

Bayern bekommt auch wieder ein Oberstes Landesgericht. Als einziges Bundesland in Deutschland.

 

Da gab es schon reichlich Kritik aus der Opposition. Das sei absolut sinnlos, heißt es da. Aber es geht hier um ein Alleinstellungsmerkmal. Die Frage ist also nicht: Macht das Sinn? Die Frage lautet: Hat das ein anderer? Wenn nein, sagt der Söder: Dann her damit.

 

Dreh- und Angelpunkt der Söder-Ära aber wird der Hyperloop. Solarbetrieben, 1000 km/h schnell. Der legitime Nachfolger vom Transrapid. Die Referenzstrecke wird natürlich vom Hauptbahnhof zum Flughafen gehen. Aber die Fahrt dauert dann eben nimmer 10 Minuten. Sondern nur 48 Sekunden.

 

Bei Stoiber rückte der Flughafen damals näher an den Hauptbahnhof. Bei Söder ist dann der Flughafen im Hauptbahnhof. Wenn sich die Leute die Regierungszeit Söders anschauen, sollen sie also in erster Linie Bahnhof verstehen. Innenminister Herrmann freut sich auch schon auf den Hyperloop. Der Joachim will damit die Abschiebungen beschleunigen.

 

Deine politische Karriere weist Parallelen auf zum Hyperloop. Es ging alles rasend schnell. Als Teenager hast dir schon ein Bild von Franz Josef Strauß überm Bett aufgehängt. Weil der Playboy schon ausverkauft war. Du hattest immer ein Gespür für den richtigen Moment. Timing würde da der Huber Erwin sagen.

 

Und der Lieblingsspruch vom Huber Erwin passt bei dir wie die Faust aufs Auge: Luck is when opportunity meets preparation. Du warst immer zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle. Gut, statt preparation war es bei dir dann oft eher detonation. Als Generalsekretär hast den Stoiber Edi ins politische Abseits begleitet.

 

In meinem Windschatten konntest du fünf Jahre lang beim Maibockanstich dir den letzten Schliff holen. Jetzt bist der jüngste Ministerpräsident Bayerns. Sogar der Horst Seehofer sprach beim Parteitag im Dezember von einem geordneten Übergang.

 

Der Horst steht fest an deiner Seite. Und sollte im Oktober die absolute Mehrheit verloren gehen, wird dich der Horst nicht hängen lassen.

Hängen lassen nicht wird er dich bestimmt nicht.

 

Aber irgendwas wird er sich schon einfallen lassen. Denn auch dein Mentor Edmund Stoiber wird dir bestätigen: Die CSU beherrscht nicht nur den geordneten Übergang. Sondern auch den geordneten Untergang. In diesem Sinne frei nach Erwin Huber: Good luck!

 

An dich, Markus. Und auch an die Opposition. Denn am 14.Oktober geht es um Bayern. Da seid ihr alle in der Verantwortung. Und das Schöne ist: Gemeinsam habt ihr die absolute Mehrheit sicher. Also bleibt alle gesund. Dann sehen wir uns nächstes Jahr wieder.

 

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