Azubis von Spaten und Löwenbräu helfen in der Hopfenfarm

Nach dem bayerischen Reinheitsgebot von 1516 sind Wasser, Malz, Hopfen und Hefe die einzigen Rohstoffe, die für die Bierherstellung verwendet werden dürfen. Ein wesentlicher Bestandteil, nämlich der Hopfen (Humulus lupulus) gehört zur Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae).

 

Lange Zeit brauchte man Hopfen nur als Gewürz oder für Heilzwecke – als Beruhigungs- oder Abführmittel. Es war ganz normal, Bier mit anderen Pflanzen zu brauen: Lorbeer, Salbei, Lavendel oder heute kaum mehr bekannten Kräutern wie Gagelkraut oder Laserkraut. Im Mittelalter wurde der Hopfen allmählich wegen seiner konservierenden Wirkung dem Biersud beigemischt. Bereits die Babylonier und Ägypter verwendeten Hopfen zur Bierherstellung.

 

Deutschland ist Hopfen-Exportweltmeister, 80 Prozent der deutschen Hopfenernte werden jährlich in über 100 Länder der Erde exportiert. Der Hopfen wird als „Seele des Bieres“ bezeichnet, da er, je nach Rezept, dem Bier insbesondere die angenehme Bittere, ein feines Aroma und die nötige Schaumstabilität verleiht. Letztes Jahr wurden in Deutschland 48.472 Tonnen geerntet. Davon 41.484 Tonnen in der Hallertau, das mit 17.000 Hektar größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt.

 

Die US-Brauerei Anheuser-Busch hat 1988 im Zentrum der Hallertau, in Wolnzach-Hüll, ein 32 Hektar großes Versuchs-Hopfengut („Busch-Farm“) gekauft.

 

Im Grunde ist Anheuser-Busch ein deutsches Unternehmen. Eberhard Anheuser, geb. 1806 in Kreuznach, wanderte 1843 nach Amerika aus. Er wurde zum Seifenhersteller ausgebildet und besaß schließlich die größte Seifen- und Kerzenfirma in St. Louis. Obwohl er keine Brauerfahrung hatte, wurde er Teilhaber der „Bavarian Brewery“, die er 1860 komplett übernommen und den Namen in „E. Anheuser & Co.“ geändert hat.

 

Adolphus Busch, geboren 1839 in Kastel bei Mainz, zweitjüngstes von 22 Kindern, machte sich mit 18 Jahren auf den Weg nach St. Louis und war mit 21 Partner in einem Brauereibedarfsgeschäft. Nach seiner Hochzeit mit Eberhards Tochter Lilly  wurde er Partner von Eberhard Anheuser. Die beiden brauten ein Bier nach der böhmischen Pilsener-Methode, die sie von einer Brauerei aus dem böhmischen Budvar abgekupfert haben und nannten es „Budweiser“. Die Brauerei wurde 1879 in “Anheuser-Busch Brewing Association“ umbenannt.

 

Nach der Übernahme von Anheuser-Busch durch die InBev-Gruppe 2008, ist die Busch-Farm heute ein Teil des weltweit größten Braukonzerns „Anheuser-Busch InBev“. Auf der Farm werden vier Hopfen-Hauptsorten und zusätzlich noch 30 Versuchssorten angebaut. ABInbev braut 30 % des Bier-Ausstoßes weltweit und benötigt dazu 25 % der Welternte an Hopfen. Davon kommt die Hälfte aus der Hallertau. Dr. Willi Buholzer, seit über 25 Jahren zuständig für den globalen Hopfeneinkauf von ABInBev: „Hier in der Hallertau gibt es die beste und effektivste Bittersorte der Welt, Herkules, sie hat keine Konkurrenz weltweit. Die Hälfte unseres Bedarfes kommt von hier.“

 

Auf der Busch-Farm wachsen auf einem Hektar ca. 2000 Hopfen-Pflanzen. In der Hoch-Vegetationsphase wächst die Pflanze 25-30 cm am Tag. Im Juni wird der Hopfen dann eine Höhe von 6 - 7 m erreicht haben. Bei einer Höhe von 30-50 cm muss die Pflanze zügig „angeleitet“ werden. Innerhalb eines kleines Zeitfensters müssen die Triebe so an den Drähten befestigt werden, dass sie in die Höhe wachsen. Die Schließung der Landesgrenzen wegen des Corona-Virus hat auch die Busch-Farm getroffen. Ferdinand Weingarten, General-Farm-Manager der Busch-Farm: „Normalerweise kommen unsere Erntehelfer aus Polen. Wegen Corona hatte ich Zusagen, dann wieder Absagen“.

 

Harald Stückle, Dipl. Brauingenieur und Geschäftsführer der Spaten-Franziskaner-Brauerei in München, die zum ABInBev-Konzern gehört, hatte gemeinsam mit Willi Buholzer die Idee Auszubildende (Azubis) der Brauereien als Helfer einzusetzen.

 

Unter dem Motto: „Rettet das Bier“ wurde eine große Aktion gestartet. Stückle: „Wir setzen auf unsere Azubis und haben alle freigestellt, um einen wichtigen Beitrag für die Solidargemeinschaft zu leisten“.  Seit Ende April sind 18 Azubis von Spaten-Franziskaner und Löwenbräu auf der Busch-Farm dabei das „Bier zu retten“. Dabei auch 2 Azubis von Becks in Bremen und Willi Buholzer. Harald Stückle geht mit gutem Beispiel voran und hat sich extra Urlaub genommen, um mit den jungen Leuten zu arbeiten. Die Arbeit ist laut Weingarten „ein echter Knochenjob“.

 

Von jeder Hopfenpflanze werden nur 3 Triebe pro Pflanze „angeleitet“, immer im Uhrzeigersinn. Dabei muss darauf geachtet werden, dass die Köpfchen sich nicht zwischen Pflanze und Dreht schieben, da sie sonst abbrechen. Die restlichen Triebe werden entfernt. 

 

Die jungen Frauen und Männer, zwischen 16 und 20 Jahre alt, arbeiten in Teams zusammen, sind sehr motiviert und mit großem Spaß dabei, obwohl die ungewohnte Arbeit „sehr anstrengend ist“. Weingarten: „Die Teams schlafen und essen zusammen, unter strenger Einhaltung der Hygiene- und Abstands-Regel“.

 

Natürlich gibt es als Belohnung für den Knochenjob am Abend auch ein kühles Bier aus der eigenen Brauerei. „Jetzt haben wir erst erkannt was die polnischen Helfer jedes Jahr leisten“, so die Azubis.

 

Ingeborg Hoffmann

 

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