„Corona-Solidargemeinschaft“ im Zeichen der Krise

Die Auswirkung der Maßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung der Corona-Infektion treffen auch die mittelständisch strukturierte bayerische Brauwirtschaft hart. Gerade für dienstleistungsorientierte, mittelständische Brauereien, deren Absatzschwerpunkt in erster Linie auf der Belieferung von kleinen und größeren Festen und auf der Gastronomie liegt, ist die Lage schwierig.

 

Volksfeste und Großveranstaltungen wurden bis zum 31. August abgesagt. Georg Rittmayer, Präsident des Verbandes Privater Brauereien in Bayern: „Vor allem für Brauereien, die stark vom Absatz auf Festen leben, kann es eng werden“. Für die meisten seiner 450 Mitglieder ist der Verband aber durchaus zuversichtlich. Denn bei vielen sei der Verkauf des Bieres in der Flasche - zu für den Brauer vernünftigen Preisen - eine tragende Säule der Einkünfte. Und hier laufe das Geschäft schließlich. Es komme jetzt auf jeden einzelnen an, durch sein aktives Konsumverhalten einen solidarischen Beitrag zum Erhalt vieler Brauereien im Freistaat zu leisten.

 

Viele Brauereien kämpfen an der Seite der Gastronomie und versuchen, durch den Verzicht auf Pachteinnahmen, die Aussetzung von Zahlungsverpflichtungen bei Gastronomiedarlehen und die Ausschöpfung aller Hilfsangebote Dritter Insolvenzen abzuwenden und eine Wiedereröffnung nach der Krise zu gewährleisten. 

 

Solidarisch zeigen sich auch die großen Brauereien. Die Spaten-Franziskaner-Bräu in München, die zum Konzern ABInBev (Budweiser) gehört, produziert Ethanol zur Herstellung von Desinfektionsmitteln.  Der überschüssige Alkohol, der bei der Entalkoholisierung von „Franziskaner Alkoholfrei“ anfällt, wird für die Produktion von Hand Gel verwendet. Das Handgel wird kostenfrei an die Mitarbeiter, medizinische Einrichtungen, Pflegeheime und Hospitäler abgegeben. Zur Unterstützung der Hopfenbauern werden sechszehn Auszubildende der Brauerei ab 25. April die polnischen Erntehelfer beim Hopfenanbau unterstützen. Innerhalb eines kleinen Zeitfensters müssen die Pflanzen so an den Drähten befestigt werden, dass sie in die Höhe wachsen.

 

Natürlich wird auch weiterhin Bier gebraut. Harald Stückle, Dipl. Brauingenieur und Geschäftsführer der Spaten-Franziskaner-Bräu: „Spaten, Franziskaner und Löwenbräu sehen keinen Engpass in der Bierversorgung. Bayern, als auch der Rest der Welt muss keinerlei Sorge haben, dass das Bier ausgeht“.

 

Ob das Oktoberfest dieses Jahr stattfindet, wird Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) noch im April entscheiden. Reiter: "Ich teile dabei die Skepsis von Ministerpräsident Markus Söder (CSU), dass es aus heutiger Sicht schwer vorstellbar ist, dass das Oktoberfest, als größtes Volksfest der Welt, dieses Jahr stattfinden wird“. Karl Freller (CSU), Vizepräsident des Bayerischen Landtages, twitterte am 16. April: „Sollte das Oktoberfest abgesagt werden müssen, dann könnte man doch das Oktoberfest 2021 um eine Woche verlängern. Nur ein Vorschlag“.

 

Auf das Oktoberfest-Bier muss aber in diesem Jahr dennoch keiner verzichten. Stückle: „Wir werden hier in der Spaten-Franziskaner-Brauerei in Kürze die ersten Sude einbrauen und zeitgerecht abfüllen. Diese köstliche Bierspezialität wird dann in alle Länder verschickt, so dass alle unsere Bierfans auch eine „Wiesn-dahoam“ gestalten können“.  

 

Mitglied der „Corona-Solidargemeinschaft“ sind auch die Schausteller. Sie geben mit ihren alten Kirmesorgeln Orgelkonzerte vor Seniorenheimen, wo die Menschen mit den Ausgangs- und Besuchsbeschränkungen besonders belastet sind. Peter Bausch, vom Münchner Schausteller Verein: „Wir sind eine Berufsgruppe die von den aktuellen Verboten mit am schlimmsten betroffen ist, dennoch ist es gegen unsere Natur daheim zu sitzen und nichts zu tun“.  Es sei schließlich auch der gesellschaftliche Auftrag aller Schausteller „den Leuten ein Lächeln ins Gesicht zaubern“, so Bausch.

 

Der Zusammenhalt in der Bevölkerung wächst täglich. Online-Plattformen für neue Initiativen entstehen, die Gesuche und Hilfsangebote, ob Einkaufen gehen, Kinder betreuen oder mit dem Hund spazieren gehen, koordinieren. Künstler, Musiker und Schriftsteller lassen Fans online an ihrer Kunst teilhaben.

 

Menschen genießen die klare, frische Luft ohne Feinstaub von Autos und Flugzeugen. Auf den Kiesinseln in der Isar oder im Inn brüten Vögel wie Fluss-Regenpfeifer und Flussufer-Läufer, Arten die normalerweise von Sonnenanbetern und Grillfreunden vertrieben werden. Das Wasser in Venedigs Kanälen ist jetzt so klar, dass man die Fische sieht. Großstädte in China und Europa berichten von besserer Luft, da die Stickstoffbelastung in innerstädtischen Bereichen durch ausbleibenden Straßenverkehr sinkt. Für viele ist die Krise eine „Verschnaufpause für die Umwelt“.

 

Ministerpräsident Markus Söder verkündete nach seiner Kabinettssitzung am 16. April auch für Bayern erste Lockerungen: „Wir bekommen das Virus langsam unter Kontrolle“. Es sei keine Entwarnung, aber, es gebe deshalb nun "Anlass zu vorsichtigem Optimismus", so Söder.

Hoffen wir, dass Markus Söder bald Anlass zu größerem Optimismus hat.

 

Ingeborg Hoffmann

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