Ein Museum auf der Wiesn

Yvonne Heckl, Direktorin Museumszelt, Foto: Heinz Hoffmann

Am 16. September 2017 beginnt in München das größte Volksfest der Welt, das 184. Oktoberfest. Der Ursprung des Oktoberfestes  war die Vermählung des Kronprinzen Ludwig, des späteren König Ludwig I., mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen am 12. Oktober 1810, vier Jahre nach der Erhebung Bayerns zum Königreich. Zu Ehren der Braut wurde die Festwiese „Theresiens-Wiese“ getauft. So heißt der Oktoberfestplatz noch heute „Theresienwiese“ - im Münchner Sprachgebrauch kurz „die Wiesn“ genannt. 

 

Auf dem Oktoberfest stehen dieses Jahr 16 große und 22 kleinere Festzelte, wobei das größte Zelt  8.450 Plätze innen und 2.450 im Biergarten hat. Ein ganz besonderes, kleines aber feines,  Festzelt steht auf der „Oidn Wiesn“ (bayrisch für Alte Wiesn), einem abgegrenzten Areal im Südteil der Theresienwiese: Das Museumszelt.  

 

Auf der „Oidn Wiesn“ erleben die Besucher „Oktoberfest wie anno dazumal“. In gemütlich-traditioneller Atmosphäre können historische Fahrgeschäfte, bayerische Live-Musik und bayerisches Brauchtum genossen werden. Auch die Preise für die Fahrgeschäfte sind wie „anno dazumal“, eine Fahrt kostet nur einen Euro.

 

Im Museumszelt der „Historischen Gesellschaft Bayerischer Schausteller e.V.“ wird die Geschichte des Oktoberfestes und der Schaustellerei lebendig.

 

Die Schausteller selbst entwickelten sich vom „Fahrenden Volk“ zu mittelständigen Unternehmern der Neuzeit. Auch die „Wohnungen“ der Schausteller haben eine rasante Entwicklung durchgemacht. Auf alten Stichen, Zeichnungen und Gemälden sind Planwagen oder selbstgebaute einfache Fuhrwerke zu erkennen. Die mit Holz verkleideten Wagen waren anfangs klein, aber dennoch mit Kochnische, Wohn- und Schlafzimmer eingerichtet.  Die äußere Form des Wohnwagens erinnerte an einen Eisenbahnwaggon. Heute sind die Wohnwägen „Fahrende Wohnhäuser“ mit Einbauküche, Bad, Zentralheizung, Klimaanlage und allen modernen technischen Errungenschaften.

 

Auch die bei Alt und Jung beliebten Karussells haben sich weiter entwickelt. Bei der Eröffnung des Wiener Praters im Jahre 1766 gab es bereits ein Pferdekarussell. Auf dem Münchner Oktoberfest wurde 1818 das erste Karussell aufgestellt. Die ersten Karussells, die ohne Muskelkraft fuhren, entstanden während der Industriellen Revolution. In den 1860er Jahren wurden die Fahrgeschäfte das erste Mal mit Dampf betrieben, bevor sie später mit Elektrizität in Gang gesetzt wurden. Diese Modelle waren nun auch transportabel und relativ leicht auf- und abzubauen.

 

Yvonne Heckl, Vorstand der Gesellschaft und Direktorin des Museumszeltes: „Ziel unseres Vereines ist die Bewahrung und Förderung von historischem Kulturgut aller Art des Deutschen Schaustellergewerbes. Im Museumszelt laden wir die Besucher zu einer Reise durch die Vergangenheit der Schaustellerzunft ein. Hier können Zeitzeugen der Schaustellergeschichte in Form von historischen Exponaten, die während des Jahres im Münchner Stadtmuseum verwahrt werden, bewundert werden.“

 

Ein über 100 Jahre alter Schaustellerwagen (Baujahr 1916)  mit Wohnzimmer, Schlafzimmer und Küche war Anfang des 20. Jahrhunderts das „Wohnmobil“ für reisende Schausteller.

 

Bei der Schießbude von 1905 können die Besucher ihre Treffsicherheit auf den Prüfstand stellen. Das Springpferdekarussell aus dem Jahr 1946 lädt zu einer gemütlichen Runde ein. Eine Oase für Schleckermäuler ist der „Wiener Eispalast“ von 1937. 

 

Der Ausstellungsbereich „Steilwand – im Banne der Motoren“  ist Steilwandfahrerin Käthe Müller (1910 – 1990) gewidmet. Unter ihrem Bühnenamen Steilwand-Kitty begeisterte sie in den 30er- und 40er-Jahren das Publikum als eine der ersten Motorradfahrerinnen in der "Steilwand". Als "Kitty und Pitt" erlangte sie mit ihrem Partner Berühmtheit.

 

Im Außenbereich des Museumszeltes stehen alte Dampfmaschinen, Bulldogs, Zugmaschinen und Jahrmarktsorgeln aus vergangenen Jahrzehnten. Ein Orgelbauer weiht die Besucher in die Geheimnisse des Orgelbaues ein.

Die Historie der Wiesn machen „Geschichtenerzähler“ lebendig.  Führungen zu den Exponaten des Museumszelts runden das informative Angebot ab.

 

Das Aktionsprogramm für Kinder in und vor dem Museumszelt, organisiert und durchgeführt von „Lilalu Bildungs- und Ferienprogramme“ der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., richtet sich an ein Familienpublikum und an Schulklassen. Hier können die Kinder basteln, sich an historischen Wiesn-Spielen beteiligen und alte Jahrmarktsattraktionen, wie Seiltanz und Einrad-Fahren, ausprobieren.

 

Auf der Parade der Schaubude „Urwald-Dämonen“ spielen täglich wechselnde  Musikgruppen traditionelle und neuere bayerische Volksmusik.

 

Für eine Pause stehen 300 Plätze mit Tischen und Bänken bereit. Auch die Schmankerl erinnern an alte Zeiten, wie das Münchner Zwiebelfleisch (13,60 Euro)  oder der Altbayerische Schweinebraten (14,50 Euro). Die Maß Spaten-Bier aus dem Keferloher, kostet 10,60 Euro, eine Maß Spezi 9,60 Euro, ein halber Liter Tafelwasser 4,60 Euro.

 

Das Museumszelt ist von 10 bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, die Teilnahme am Kinderprogramm kostenlos.
 

Fotos Heinz Hoffmann

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