O'zapft is auf dem 185. Oktoberfest

Mit zwei Schlägen hat Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am Samstag, den 22. September, pünktlich um 12.00 Uhr das erste Fass Bier im Schottenhamel Festzelt angezapft und mit dem Ruf: O’zapft is“ das 185. Oktoberfest offiziell eröffnet. Traditionsgemäß erhält Bayerns Ministerpräsident die erste Mass  Festbier. Seit März 2018 ist Markus Söder der neue Ministerpräsident in Bayern. Er hat mit Reiter „auf eine friedliche Wiesn“ angestoßen. Söder: „Das Oktoberfest ist ein besonderes Ereignis, vielleicht die schönste und größte Visitenkarte Bayerns in der Welt. Ich hoffe, dass wir diese Lebensfreude heute wieder zeigen und dass es eine friedliche aber auch lebenslustige Wiesn ist. Ein Zeichen, dass in Bayern was los ist und dass wir schön feiern können“.

 

Ein Stunde später, um 13 Uhr, hat die stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner im Volkssängerzelt "Schönheitskönigin" auch mit 2 Schlägen angezapft.

Als Schirmherrin des Zeltes hatte sie wohl  fleissig trainiert, nachdem es letztes Jahr beim Anzapfen einen kleinen Biersee gegeben hatte. Begeisterte, laut mitsingende, Gäste beim Auftritt der Couplet-AG mit Jürgen Kirner als "Münchner Kindl".

 

Das Oktoberfest ist nach wie vor das traditionelle Münchner Volksfest mit Münchner Gastlichkeit und Münchner Bier. Deshalb darf nur Bier der sechs Münchner Brauereien Augustiner, Hacker-Pschorr, Löwenbräu, Paulaner, Spaten und dem Staatlichen Hofbräuhaus ausgeschenkt werden. Im Schottenhamel-Festzelt wird Bier der Spaten Brauerei ausgeschenkt, deren Geschichte bis auf das Jahr 1397 zurückführt. Seit 1922 ist die Spaten Brauerei Teil der Spaten-Franziskaner-Bräu GmbH, die seit 1997 der Spaten-Löwenbräu-Gruppe angehört. Heute gehört die Biermarke Spaten zur Anheuser-Busch InBev-Gruppe, weltbekannt durch ihre Marke Budweiser.

 

Das Oktoberfestbier wird jedes Jahr nur für die Wiesn gebraut, natürlich nach dem Reinheitsgebot von 1516. Spaten Braumeister Harald Stückle: „Unsere Wiesnbiere können Geschichten erzählen. Sie zeugen von handwerklicher Leidenschaft, hochwertigen Rohstoffen und individuellem Charakter – für ein gutes Lebensgefühl“.

 

Der Ursprung des Oktoberfestes war die Vermählung des Kronprinzen Ludwig, späterer König Ludwig I., mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen am 12. Oktober 1810. Die offiziellen Feierlichkeiten zur Hochzeit dauerten fünf Tage und wurden im Sinne einer großen Ovation an das Herrscherhaus des jungen Königreiches inszeniert. Die bereits damals als „Volksfest“ bezeichneten Feierlichkeiten in der Innenstadt wurden am 17. Oktober mit einem Pferderennen auf einer Wiese vor den Toren Münchens beendet. Zu Ehren der Braut wurde die Festwiese „Theresens-Wiese“ getauft. So heißt der Oktoberfestplatz noch heute: „Theresienwiese“ - im Münchner Sprachgebrauch kurz „die Wiesn“ genannt. Durch den Beschluss, das publikumswirksame Pferderennen im folgenden Jahr zur gleichen Zeit zu wiederholen, entstand die Tradition der „Oktober-Feste“.

 

Das älteste und traditionsreichste Oktoberfest-Zelt, das Schottenhamel-Festzelt, begründete im Jahr 1867 der Oberpfälzer Schreiner Michael I. Schottenhamel (1838 - 1912), frisch verheiratet mit einer Münchner Wirtstochter. Er stellte eine Bretterbude hinter dem Königszelt auf, in der 50 Personen Platz hatten. Diesen Standort hält die Familie bis heute in der vierten Generation. Heute hat das Schottenhamel-Festzelt 6.000 Plätze innen und 3.000 im Garten.

 

Michael I. Schottenhamel war ein Visionär und Pionier. Im ungewöhnlich heißen Sommer 1872 war der Vorrat an Lagerbier der Franziskaner-Leistbrauerei aufgebraucht. An das noch junge, sogenannte Winterbier, traute sich der Wirt für den Ausschank auf der Wiesn nicht heran. Gabriel Sedlmayr, Sohn des Brauereibesitzers, hatte längere Zeit in Wien praktiziert und nun in München ein Bier nach Art des dortigen „Märzen“ gebraut. Es wurde bereits im März eingesotten, war deshalb wesentlich stärker und somit auch teurer. Ein Liter kostete bereits im Einkauf von der Brauerei 9 Kreuzer. Um auch einen Gewinn zu erwirtschaften entschied Michael I. Schottenhamel 12 Kreuzer zu verlangen.

Auf die Befürchtung  Sedlmayrs, der Preis könnte zu hoch sein, antwortet Schottenhamel: „Wann d’Münchner was Richtig’s kriagn, na schaug’n sie’s Geld net an“ (Wenn die Münchner was Richtiges kriegen, ist das Geld egal). Dieses „Ur-Märzen“ ist die Geburtsstunde des heutigen Oktoberfest-Bieres.  

 

Das neue Wiesn-Bier fand reißenden Absatz und die von der Polizei befürchteten Krawalle wegen des höheren Preises blieben aus. Der Polizeidirektor zu Schottenhamel: „Sie kennen die Münchner scheint‘s besser wie ich“.

 

Heute ist das Oktoberfest das größte Volksfest der Welt. Das Festgelände besteht aus 16 großen Festzelten und 22 kleineren Wiesn-Zelten. Den anderen Teil des Festgeländes nehmen die Betriebe der Schausteller ein, eine breite Palette von Fahrgeschäften, Belustigungen und Schaubuden. Diese typische Mischung aus Hightech und Tradition prägt heute das Fest der Feste und macht seine große Attraktivität aus.

 

Wie bereits in den Jahren zuvor ist das Gelände umzäunt, an den Eingängen gibt es strenge Kontrollen. Große Taschen und Rucksäcke sind verboten. Die Polizei ist mit mehreren hundert Einsatzkräften auf dem Festgelände und im Umfeld unterwegs. Hinzu kommen die Ordnungsdienste auf dem Festgelände und die der Zelte. Eine Lautsprecheranlage erreicht das gesamte Festgelände.  Die Videoüberwachung wurde nochmals ausgebaut, in diesem Jahr gibt es 47 festinstallierte Kameras, die Polizisten tragen Bodycams am Körper. Zum ersten Mal wird in diesem Jahr der Einsatz von sogenannten „Super-Recognisern“ auf dem Oktoberfest getestet. Das sind Beamte mit der Fähigkeit, sich Gesichter besonders gut merken zu können und diese auch später wiederzuerkennen, was zum Beispiel bei der Identifizierung von Taschendieben hilfreich sein kann.

Die Aussage von Michael I. Schottenhamel zum Bierpreis stimmt übrigens heute noch. Die Mass kostet dieses Jahr zwischen 10,70 und 11,50 Euro. Letztes Jahr haben 6,2 Millionen Besucher auf dem Oktoberfest 7,7 Millionen Mass getrunken.  

 

Ingeborg Hoffmann

Quelle: 150 Jahre Schottenhamel,  Chronik von Amadeus Danesitz

 

Fotos: Ingeborg und Heinz Hoffmann

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