Thereses Töchter - ein Buch über die Gründerdynastie der Augustiner Brauerei

Am 23. September 2021 hat Catherine Demeter, Vorsitzende der Edith-Haberland-Wagner-Stiftung, in den Wagner Salons des Augustiner Stammhauses in München ein neues Buch vorgestellt: „Thereses Töchter“. Demeter: „Ein zutiefst menschliches Buch, in dem sich die Stiftung ohne Zuckerguss vor ihrer Stifterin verneigt“.

 

Edit Haberland-Wagner (1899-1996), verwitwet, kinderlos und letzter Spross der Ahnen-Familie Wagner, hat 1996 eine Stiftung gegründet, um den Erhalt der Privatbrauerei zu sichern und der Gesellschaft Gutes zu tun.  Sie bewahrte die Identität der Augustiner-Brauerei auch zum Wohl ihrer Mitarbeiter. Ihre hilfsbereite Großzügigkeit allen Arbeitern und Angestellten gegenüber war legendär. Darüber hinaus lag es ihr sehr am Herzen, der Gesellschaft Gutes zu tun. Die Stiftung ist mit 51 Prozent Mehrheits-Eignerin der Brauerei und tief in der Münchner Kultur verwurzelt. In der Stiftungssatzung heißt es: „Der Gesellschaft wird durch gemeinnützige Aktivitäten in vielfältigen Bereichen Gutes zurückgegeben. Dazu gehören die Pflege von Brauchtum und Tradition, Denkmalschutz, die Bewahrung von Umwelt und Landschaft sowie mildtätige Zwecke, die unmittelbar der selbstlosen Unterstützung von Menschen dienen.“ Die Hälfte der Gewinne der Brauerei kommen der Allgemeinheit zugute. 

Ein Spruch in München über das Augustiner-Bier lautet: „Der erste Schluck ist eine Wohltat, der zweite eine Wohltätigkeit“.

 

Catherine Demeter, Nachfahrin der Augustiner-Gründerfamilie in siebenter Generation, ist als Vorsitzende der Stiftung auch höchste Chefin der Augustiner Brauerei. Demeter: „Wir Augustiner sind ja tendenziell eher öffentlichkeitsscheu, doch nach 25 höchst aktiven Jahren und zahllosen, von unserer Stiftung geförderten Projekten schien uns die Zeit gekommen, etwas die Türe zu öffnen und nicht so sehr die Taten der Stiftung, sondern vielmehr die Gründerin, die diese erst ermöglicht hat, sowie ihre Familie in den Vordergrund zu stellen und zu würdigen. Und so ist die Idee zu diesem Buch entstanden.“ Catherine Demeter selbst hat bei der Recherche zu dem Buch „weit zurückreichende Ahnentafeln und vergilbte Koffer durchforstet“ und ist dabei „auf herrliche Fotoalben und viele alte Briefe, die mich berührten gestoßen“. Sie hat auch das Vorwort zu dem Buch geschrieben.

 

Das Buch ist eine fesselnde Geschichte über die Gründerdynastie Wagner als Generationenroman, umrahmt von anderthalb Jahrhunderten bayerischer und Münchner Geschichten. Demeter: „Eine Zeit, in der vor allem Frauen es weit schwerer hatten als heute und trotzdem Beachtliches leisteten. Bewundernswert bleibt für mich, wie sich Therese in diesem Umfeld als hochmoderne Bräuin durchsetzte. Sie inspiriert mich, macht mir Mut, es mit Humor zu nehmen, wenn manch Ewiggestrige Frauen doch lieber am Herd, als an der Spitze einer Brauerei sehen.“ Den heutigen starken Frauen rät sie, sich mehr zuzutrauen: „Die Gesellschaft sollte es Frauen leichter machen, dann würde es ihnen auch leichter fallen“.  

 

Nach der Begrüßung durch Catherine Demeter und Michael Volk entführte Franziska Ball die begeisterten Gäste, darunter Rosi Mittermaier und Christian Neureuther, Wiggerl Hagn, Dr. Martin Leibhard und Ralph Schmömig (Augustiner Brauerei), Wolfgang Schäuble (Leiter Branddirektion München), Lukas Bulka  (Leiter Oktoberfestmuseum) mit ihrer Lesung aus dem Buch in längst vergangene Zeiten. Bei frisch gezapftem Augustiner Bier und „herrlichen Köstlichkeiten aus der guten alten Zeit“, von Augustiner Wirt Thomas Volmer, wurde anschließend noch lange über die interessante Geschichte der Wagner Familie diskutiert. Mit ihrem unermüdlichen Engagement für die Stiftung schreibt Catherine Demeter die Geschichte von starken Frauen in tragenden Positionen bei Augustiner fort.

 

 

Geschichte der Augustiner Brauerei
 

Im Frühjahr 1294 ließ sich der Augustiner Orden in München nieder. Das eigentliche Augustinerkloster samt seiner neuen Kirche wurde um 1315 fertig gestellt. Ab 1328 haben die Augustiner Mönche innerhalb des Klosters Bier gebraut. In München wohnten 1372 nur 11.500 Menschen, aber es gab 13 bürgerliche Brauereien. Im Jahr 1600 waren es schon 74 bürgerliche Brauereien. Dazu kamen sechs Klosterbrauereien, zu denen natürlich auch die Augustiner Brauerei zählte.

Im Rahmen der Säkularisation traf es 1803 auch das Augustiner Kloster. Die Brauerei wurde noch einige Jahre staatlich weitergeführt und ist dann 1817 mit ihren neuen Besitzern, den Berufsfischern Georg Gröber und Baptist Lankes, in das neue Stammhaus in der Neuhauser Straße in München gezogen. Im vorderen Teil des Hauses wurde das frisch gebraute Bier in der Gaststätte verkauft. Die beiden Fischer verstanden sich allerdings weniger aufs Bierbrauen und haben die Brauerei 1829 an das Brauer-Ehepaar Therese und Anton Wagner verkauft.

 

Therese Wagner hat im Laufe ihres Lebens elf Kinder geboren, leider haben nur fünf das Kleinkindalter überlebt. Anton Wagner starb 1844. München hatte gerade die blutigen Bierkrawalle überstanden. Tausende Münchner gingen auf die Straße, stürmten Brauereien und verwüsteten Gasthäuser um gegen die Bierpreiserhöhung zu demonstrieren. Die alarmierten Polizisten und herbeigerufenen Reiterregimenter weigerten sich, gegen die Aufständischen vorzugehen. Schließlich musste Ludwig I. per Dekret den Bierpreis wieder senken.

 

Nach dem Tod ihres Mannes führt Therese die Brauerei alleine weiter und schafft es, den relativ kleinen Betrieb zu ihren Lebzeiten an die Schwelle zur Großbrauerei zu führen. Damals wie heute war die Welt der Brauer eine männerdominierte Welt. Therese war eine Visionärin und technischen Neuerungen aufgeschlossen. Im Sommer 1842 hat sie ein neues Sudwerk samt Dampfmaschine und Dampfkessel aufstellen lassen und so die Bierproduktion vom handgemachten zum industriellen Bier verändert. Die Brauerei wurde 1885 an eine neue Braustätte verlegt. Von 1896 bis 1897 entstand an dem Ort des Stammhauses ein neues Bierausschankgebäude mit Gasthaus, gestaltet von dem berühmten Architekten Emanuel von Seidel (1856 bis 1919). Die „Augustiner Großgaststätten“ sind bis heute weit über die Grenzen Bayerns bekannt.

 

Therese Wagner starb 1858. Danach hat ihr Sohn, Joseph Wagner, die Brauerei übernommen. Seine Initialen J. W. sind bis heute im Firmenlogo verewigt. Josephs Frau Berta, die Verbindungen zum Hof hatte, brachte Stil und internationale Eleganz in die Familie. Ihre Tochter Sophie war eine Revoluzzerin, schnitt sich die Haare ab und fuhr in Pumphosen auf dem Fahrrad durch den Englischen Garten. Sie engagierte sich zeitlebens für die Rechte der Frauen und kämpfte für ein Sozialsystem der Kellnerinnen, die damals praktisch keine Rechte hatten. Auch Sophies Tochter Lucy sorgte für einen Skandal in der Familie. Sie heiratete den Kommunisten Richard Scheid, der für einige Wochen Kriegsminister der Münchner Räterepublik war. Da er sehr enge Verbindungen zum Widerstand hatte, haben ihn die Nazis später für vier Jahre in das Konzentrationslager Dachau eingesperrt.

 

Die Leitung der Brauerei haben nach dem Tod Joseph Wagners (1900) die Söhne Max und Richard Wagner übernommen. Richards Sohn, Rudolf, übernimmt 1963 die Leitung der Brauerei und wandelt sie in eine Kommanditgesellschaft um. Rudolf wird 73 Jahre alt. Cousins und Cousinen in Deutschland, Österreich und den USA erben die Augustiner-Bräu Wagner KG. Darunter Edith Haberland-Wagner.

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